Schritt 6: Was haben wir geleistet und erreicht?

Symbol
Im Schritt 6 geht es darum, eine Bilanzierung der erzielten Ergebnisse vorzunehmen. Hierbei müssen die zu Beginn festgelegten Ziele (vgl. Gelingensbedingungen 2 und 6) mit dem erreichten Entwicklungsstand verglichen werden. Diese Ergebnisevaluation hilft dabei, das Projekt umfassend und fair zu beurteilen.
Ohne eine solche explizite Bilanzierung besteht die Gefahr, dass eine stimmungsgefärbte, auf wenige Aspekte fokussierte und von einzelnen Personen dominierte Bewertung des Projekterfolgs vorgenommen wird. Dadurch werden oft wichtige Ergebnisse übersehen und ein Projekt vorschnell als gescheitert beurteilt. Dies hat dann zur Folge, dass wichtige Ergebnisse des Projekts nicht verstetigt werden.
Sich die Mühen und Fortschritte ebenso wie Stagnation und etwaige Rückschritte gemeinsam bewusst zu machen und sich vor allem die trotz aller Hindernisse und Widrigkeiten erreichten Erfolge vor Augen zu führen, stärkt auch das Zutrauen in die eigenen und die Fähigkeiten der Schule, herausfordernde Ziele zu erreichen.
Weiterhin sollte das gezeigte Engagement gewürdigt und Erfolge gefeiert werden, damit die unternommenen Anstrengungen als lohnenswert erlebt werden und die Engagierten auch zukünftig bereit sind, sich in einem Schulentwicklungsprojekt zu engagieren.

GELINGENSBEDINGUNG 20

Ergebnisse und Erfolge gemeinsam bewusst machen
Das laufende Bewusstmachen von erzielten Zwischenergebnissen war schon in der Interventionsphase für die individuelle und die kollegiale Durchhalte-Motivation von entscheidender Bedeutung.
In der Evaluations- und Stabilisierungsphase geht es um eine Kosten-Nutzen-Bilanzierung des gesamten Evaluationsprozesses.
Die Kernfragen für das Kollegium lauten hier:
  • Welche Ergebnisse haben wir in dem Projekt erzielt?
  • Woran messen wir den Erfolg des Projekts?
  • Wem werden die Ergebnisse mitgeteilt?
Welche Ergebnisse haben wir in dem Projekt erzielt?
So wie laufende mündliche und schriftliche Zensuren als Leistungsrückmeldung für Schülerinnen und Schüler nicht die Gesamtzensur auf dem (Zwischen-)Zeugnis ersetzen, so ist es auch erforderlich, neben der laufenden Würdigung erreichter Fortschritte in der Interventionsphase am Ende die Ergebnisse zusammenzufassen und gemeinsam zu reflektieren.
Welche vorab definierten individuellen und schulbezogenen Ziele wurden erreicht? Zur Beantwortung dieser Frage ist der Rückgriff auf die Zielklärung in der Start- und Planungsphase notwendig.
Zudem sollten die Dauer und Stabilität der gemeinsamen Anstrengungen sowie die Zusatzanstrengungen bei auftretenden Krisen erkannt und gewürdigt werden. Das Bewusstmachen der gemeinsam erzielten Erfolge stärkt die individuelle und kollektive Selbstwirksamkeit durch die ermutigende Erfahrung, zielführendes Handeln gemeinsam erfolgreich ausführen zu können. Dies ist von unschätzbarem Wert für die weitere Bereitschaft zur Mitwirkung in neuen Schulentwicklungsprojekten.
Folgende mögliche Ergebnisse des Projekts sind gemeinsam in den Blick zu nehmen:
  Kästchen
Struktur- und Prozessgewinne: Z. B. „Unsere Kooperation ist intensiver geworden.“
  Kästchen
Annäherungen an explizite Ziele des Projekts: Z. B. „Wir haben den Konferenzverlauf wie geplant optimiert.“
  Kästchen
Anstrengung und Überwindung von Schwierigkeiten: Z. B. „Wir haben uns sehr angestrengt und Durststrecken/Krisen überwunden.“
  Kästchen
Erkenntnisgewinn: Z. B. „Wir wissen jetzt genauer, worauf wir in der weiteren Prozesssteuerung achten sollten.“
Woran messen wir unsere Erfolge?
Bei den Gelingensbedingungen der Start- und Planungsphase in diesem Leitfaden wurde eindringlich darauf hingewiesen, dass klar beschriebene Erfolgskriterien für die Start- und Durchhaltemotivation notwendig sind. Denn wer beginnt, ohne zuvor begründete und realistische Erfolgskriterien zu definieren, liefert sich seinen unbewussten und oft unrealistischen Wünschen und Erwartungen aus, was die Gefahr von Ernüchterung und Enttäuschung in sich birgt. Zudem kann man den Erfolg nicht überprüfen, wenn man vorher nicht festgelegt hat, was die Erfolgskriterien sind.
Alle Schulmitglieder, die von einem Projekt direkt und indirekt betroffen sind, sind Änderungsagentinnen und -agenten. Sie können den Projektverlauf unterstützen oder ausbremsen, wie die Ausführungen in der Gelingensbedingung 10 zum Umgang mit Widerständen gezeigt haben. Deshalb sind ihre Erwartungen zu Projektbeginn und ihre Bewertungen des Erreichten am Ende besonders wichtig.
Die Bewertungen aller Beteiligten und Betroffenen sollten daher erhoben und diskutiert werden. Im folgenden Praxistool finden Sie dazu Instrumente.
Wem werden die Ergebnisse mitgeteilt?
Tue Gutes und sprich darüber! Projekte sollten mit der Benennung von Kosten und Nutzen der erweiterten Schulöffentlichkeit, aber auch der oberen Schulbehörde und den Ministerien vorgestellt werden. Manch einem mag das nach Eigenlob klingen – als Begleiter von Schulentwicklungsprojekten sehen wir das nach langjährigen Erfahrungen völlig anders. Schulentwicklungsprojekte sind der Versuch, nahezu ohne zusätzliche Ressourcen mit dem persönlichen Einsatz von (bereits ausgelasteten) Lehrkräften individuelle und gemeinsame Entwicklungsziele zu verfolgen. Erfolge, ebenso wie Misserfolge und der Anstrengungsaufwand sind daher zu bilanzieren. Diese Bilanz sollte offen gelegt werden. Dies ermöglicht eine Würdigung des freiwilligen Engagements der Projektaktiven und eine Anerkennung für die erzielen Erfolge. Auch ermöglicht es den beteiligten Personen und der Schulgemeinschaft zu prüfen, ob der Aufwand für das Projekt gerechtfertigt war. Mit dieser Rechtfertigungspflicht für den Umgang mit den personalen Ressourcen vor Ort sollte eine öffentliche Kommentar- und Würdigungspflicht durch die vorgesetzten Behörden einhergehen.
Praxistool
Das Praxistool zur Gelingensbedingung 20 umfasst unterschiedliche Instrumente. Sie sollen möglichst viele Mitglieder der Schulgemeinschaft zur kritischen Reflektion der erzielten Ergebnisse motivieren.
Wer ist verantwortlich?
Für die Bewertung des Umfangs und der Wichtigkeit der erzielten Ergebnisse sind zuerst die Projektgruppen verantwortlich. Aufgabe der Schulleitung und der Steuergruppe ist es dann, die Ergebnisse in Bezug zu den Schulentwicklungszielen zu setzen und zu prüfen, ob das Ergebnis bereits für die Umsetzung des Entwicklungsziels ausreicht oder ob weiter gearbeitet werden muss. Auch ist es Aufgabe der Schulleitung und der Steuergruppe, erfolgskritische Faktoren zu identifizieren und für die zukünftige Entwicklungsarbeit im Blick zu behalten.
Grafik: Gelingensbedingung 20, Instrument 1
Gelingensbedingung 20, Instrument 1
Wirksamkeit von Strukturen und Prozessen abschließend bewerten
Ziel: Die im Projekt realisierten Strukturen und Prozesse hinsichtlich ihrer Wirksamkeit prüfen
Mit Hilfe des Instruments 1 können Sie eine abschließende Bewertung der Strukturen und Prozesse des Projekts vornehmen. Folgende Fragen können in den Blick genommen werden:
  • Haben sich die Strukturen und Prozesse bewährt?
  • Wurden gewünschte Wirkungen erzielt?
  • Welche Prozesse waren wichtig, um die Wirkungen zu erzielen?
So gehen Sie vor:
Die folgende Tabelle wird von den Projektaktiven bearbeitet (Steuergruppe und Projektgruppe). Das Instrument sollte in der jeweiligen Projektgruppe bzw. Steuergruppe bearbeitet werden. Sie können den Fragebogen in Einzelarbeit beantworten lassen und anschließend über die Ergebnisse diskutieren. Alternativ können Sie die Items auf ein Flipchart oder Whiteboard übertragen. Lassen Sie schwarze Punkte (= keine Zustimmung) und rote Punkte (= Zustimmung) setzen. Sammeln Sie die Meinungen zu der Frage „Woran machen Sie Ihre Bewertung fest?“ ein. Diskutieren Sie gemeinsam über die Ergebnisse.
Die Steuergruppe kann die Liste der zu bewertenden Leistungsaspekte nach Bedarf ergänzen. Anschließend berechnen Sie, wie viel Prozent der Befragten der jeweiligen Aussage zugestimmt haben (rechte Tabellenspalte). Es macht Sinn, die Gruppenurteile aus den Projektgruppen nebeneinander zu stellen und zu vergleichen:
  • Wie lassen sich unterschiedliche Gruppenurteile erklären?
  • Welche Faktoren haben dazu geführt, dass manche Gruppen mehr/weniger Erfolge wahrnehmen als andere?
Drucker-Icon
Wenn die Bewertung eher negativ ausfällt, sollten Sie dieses Ergebnis nutzen, um sich auf zukünftige Entwicklungsprozesse vorzubereiten. Was müssen Sie zukünftig im Blick behalten? Woran sollten Sie in der Start- und Planungsphase neuer Projekte besonders intensiv arbeiten?
 
Ein­zel­ur­teil
(eher) ja =  Symbol
(eher) nein =  Symbol
Woran machen Sie Ihre Bewer­tung fest?Grup­pen­ur­teil (Zustimmung in Prozent)
Strukturgewinn
Unsere Steuergruppe hat sich bewährt.   
Die Arbeitsteilung zwischen Schulleitung und Steuergruppe hat sich bewährt.   
Unser Informationsmanagement hat sich verbessert.   
Unser Projektmanagement hat sich verbessert.   
Prozessgewinn
Unsere Kooperation ist intensiver geworden.   
Wir haben trotz zusätzlicher Aufgaben unser Ziel nicht aus den Augen verloren.   
Unsere Fortbildungskultur wurde weiterentwickelt.   
Unsere Würdigungskultur hat sich verbessert.   
Wir haben gemeinsam Durststrecken und Krisen überwunden.   
Wir haben uns „fehlerfreundlich“ verhalten.   
Wir haben potenzielle Risiken frühzeitiger erkannt.   
Wir konnten alte Fehler überwinden.   
Wir wissen jetzt genauer, worauf wir achten müssen.   
Wir haben Machtkämpfe vermieden.   
Unsere Sachdiskussionen werden heute effektiver geführt.   
Individueller Gewinn
Meine Arbeitsbedingungen haben sich verbessert.   
 
Meine Bewegungsbilanz hat sich verbessert.   
 
Ich habe mehr Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.   
 
Grafik: Gelingensbedingung 20, Instrument 2
Gelingensbedingung 20, Instrument 2
Zielerreichung anhand von Indikatoren überprüfen
Ziel: Mit Hilfe einer Evaluationszielscheibe die kollektive Leistungsbilanz klären
So gehen Sie vor:
Um eine breite Beteiligung zu ermöglichen, sollen die Projektbeteiligten ihre Voten zu den definierten Zielindikatoren des Projekts abgeben. Nutzen Sie dazu die im Folgenden aufgeführte Evaluationszielscheibe. Mit der Evaluationszielscheibe können Sie den Grad der Zielerreichung visualisieren. Nehmen Sie sich dafür Ihre Bearbeitung der Gelingensbedingung 6 noch einmal vor, z. B. die Beschreibung der Ziele nach den BE-SMART-Kriterien. Wenn Sie im Laufe der Interventionsphase Ziele oder Indikatoren zur Erfolgsmessung verändert haben, nutzen Sie diese angepassten Ziele bzw. Indikatoren.
Zeichnen Sie die Evaluationszielscheibe auf ein Flipchart oder Whiteboard. Jeder Erfolgsindikator erhält ein Segment in der Zielscheibe, siehe Beispiel.
Jede Person beurteilt den Erreichungsgrad für die verschiedenen Zielindikatoren. Je höher die Zustimmung (Indikator erfüllt), desto näher liegt der Punkt am Mittelpunkt der Zielscheibe. Umgekehrt: Je geringer die Zustimmung, desto weiter außen wird der Punkt gesetzt. Die Dichte und Lage der Punktwolke signalisiert den Konsens bzw. die unterschiedliche Einschätzung in der Gruppe und zugleich den etwaigen Diskussionsbedarf.
Beispiel (auf Grundlage der Beispieltabelle BE-SMART in Gelingensbedingung 6)
Leitfragen für die Auswertung:
  • Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
  • Sind die Projektgruppen, die das Ziel bearbeitet haben, mit dem Ergebnis zufrieden?
  • Wie nehmen die Personen im Kollegium, die nicht aktiv mitgearbeitet haben, den Erfolg bzw. die Zielerreichung wahr?
  • Was haben Sie nicht erreicht – und warum haben Sie es nicht erreicht?
  • Was folgt daraus? Woran sollten Sie zukünftig weiterarbeiten?
    
 
Tipp
Tipps für die Vorbereitung einer Erfolgsbilanz
Wenn bereits während der Implementierungsphase regelmäßig Fortschritte und Teilergebnisse dokumentiert werden, erleichtert dies die Bestimmung der Erfolgsbilanz zum Abschluss der Implementierungsphase. Mit folgenden Maßnahmen können Sie in der Interventionsphase die Erfolgsbilanzierung im Transfer vorbereiten:
 
  
    
  
  • Führen Sie einen regelmäßigen TOP auf Ihren Konferenzen ein, bei dem über das Entwicklungsvorhaben berichtet wird und der die Möglichkeit für Feedback, gemeinsamen Austausch und Abstimmungen bietet. Auf diese Weise können Sie alle relevanten Schulbeteiligten von Anfang an in die Evaluation des Prozesses und seiner Ergebnisse einbeziehen.
  • Dokumentieren Sie Ihre Anstrengungen, Fortschritte und Ergebnisse z. B. anhand eines Projektzeitstrahls, der an einer zentralen Stelle im Schulgebäude/Lehrerzimmer aushängt. Hier können Sie erreichte Meilensteine, Fotos von Aktionen u.v.m. visualisieren und bei der finalen Bewertung darauf zurückgreifen. Nutzen Sie Meilensteine in Ihrer Projektplanung, um Fortschritte im Prozess bewusst zu machen (siehe Gelingensbedingung 19).
 
 
Wie geht es weiter?
Nachdem in der Gelingensbedingung 20 verdeutlicht wurde, dass es am Schluss eines Projekts wichtig ist, eine Bilanz zu ziehen und sich das Erreichte vor Augen zu führen, soll jetzt die Würdigung von Engagement und Leistung in den Blick genommen werden.
Gerade für das freiwillige Engagement in Schulentwicklungsprojekten ist eine Würdigung unabdingbar, damit die Projektaktiven auch in der Evaluations- und Stabilisierungsphase am Ball bleiben. Mangelnde Würdigung und Anerkennung hingegen führen zu Frustration und nachlassender Motivation. Das kann sich dann auch auf neue Entwicklungsvorhaben negativ auswirken.

GELINGENSBEDINGUNG 21

Engagement und Leistungen würdigen und feiern
In der Gelingensbedingung 17 wurde die Würdigung von Engagement und Leistung bereits als wichtige Erfolgsbedingung der Interventionsphase vorgestellt. Nun geht es um die Würdigung von Engagement und Leistung zum Projektabschluss. Warum spielt die Würdigung des Erreichten auch in der Evaluations- und Stabilisierungsphase eine zentrale Rolle? Würdigung bedeutet eine Verstärkung für gezeigtes Verhalten und kann somit helfen, neues Verhalten zu stabilisieren. Dies ist gerade in der Evaluations- und Stabilisierungsphase von entscheidender Bedeutung. Die Schulgemeinschaft sollte daher neues Verhalten durch Würdigung und Anerkennung verstärken.
Das Erreichte zu erkennen und es wertzuschätzen, fördert zudem den Stolz auf die eigene und die Leistung der Schule und motiviert auf diesem Wege dazu, Neuerungen beizubehalten. Nicht zuletzt wird die kollektive Selbstwirksamkeit für neue Projekte gestärkt (Wenn wir es bei diesem Projekt geschafft haben, produktiv und effektiv zusammen zu arbeiten, schaffen wir das auch in Zukunft.).
Warum kommt die Würdigung in Schulentwicklungsprojekten oft zu kurz? Selbst- und Fremdwürdigung hat in den Augen vieler Erwachsener etwas Peinliches an sich. Viele sind mit Regeln geimpft worden wie: „Eigenlob stinkt“, „Nicht geschimpft ist gelobt genug!“. Sie neigen zu Reaktionen wie: „Ist doch selbstverständlich!“, „Nicht dafür!“ Deshalb wird auch der Entwicklungsbedarf bezüglich der Würdigungskultur einer Schule häufig ignoriert. Dabei ist die Würdigung innerhalb und zwischen den Bezugsgruppen einer Schule gemeint: Lehrkräfte, Schulleitung, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und nicht-pädagogisches Personal.
Jede Schule hat aber eine Art kollektives Leistungsgedächtnis, gespeist aus den Erinnerungen der Mitglieder der Schulgemeinschaft. Hier sind auch Emotionen wie Stolz, Dankbarkeit und Respekt, Enttäuschung und Verletzung, Hoffnung und Sehnsucht verankert. Negative Erinnerungen an Menschen, Beziehungen oder Projekte graben sich meist schnell und nachhaltig in das kollektive Gedächtnis der Schule ein und sind dann eine Hypothek für die Zukunft. Daher gilt es die positiven Erinnerungen sorgsam zu pflegen. Ähnlich den privaten Urlaubsfotos sollten bildhafte Erinnerungen an Anstrengungen und Erfolge so platziert werden, dass die Mitglieder der Schulgemeinschaft sich häufiger daran erinnern können. Tipps zur Würdigung und Erinnerungspflege finden Sie in der Gelingensbedingung 17.
Erinnerungspflege soll Folgendes unterstützen:
  • Stolz und Freude über das Geleistete und Erreichte
  • Würdigung des Engagements von Einzelnen und Gruppen
  • Verdeutlichung der Anstrengungen und der Zusatzbelastungen durch das Projekt
  • Dank an die Toleranten, die trotz gegenteiliger Meinung wenig blockiert haben
  • Erinnerung an gemeisterte Herausforderungen und Krisen
  • Verdeutlichung des Wertes und der Wirksamkeit realisierter Maßnahmen (z. B. bewegter Schulhof = Stressabbau, Förderung von Geschicklichkeit, Gesundheit)
Grundsätzlich kann man zwischen individuell-interner und kollektiv-externer Würdigungskultur unterscheiden. Bei der individuell-internen Würdigungskultur geht es darum, darauf zu schauen, was man selbst aus eigener Anstrengung heraus erreicht hat und dies zu würdigen. Die daraus resultierende Selbstwirksamkeitserwartung ist eine wertvolle Kraftquelle in Zeiten, in denen Misserfolge verarbeitet werden müssen. Die kollektiv-externe Würdigungskultur bezieht sich auf die Würdigung des gemeinsam Erreichten und der Arbeit anderer und fördert die Fremdwertschätzung (d. h. die Wertschätzung durch andere Personen), das Kooperationsklima sowie die kollektive Selbstwirksamkeit im Kollegium.
Würdigen durch Feiern
Ging es in der Interventionsphase um das Mittel Feiern zur Förderung der Motivation und des Engagements zur Weiterarbeit im Entwicklungsvorhaben, geht es beim Feiern im Projektabschluss vor allem um den Dank an Einzelpersonen, Teilgruppen und an das gesamte Kollegium. Feiern lenkt zudem die Aufmerksamkeit auf das Bemerkenswerte. Dazu muss eine Projektmaßnahme (z. B. einen Ruheraum schaffen) mit Werten in Verbindung gebracht werden, z. B.: „Wir haben nicht einfach einen Ruheraum eingerichtet, sondern eine Oase der Erholung mitten im Alltagsstress und letztlich eine dauerhafte Struktur für unsere Gesunderhaltung geschaffen. Unser Ruheraum ist zugleich ein Zeichen für unsere Kooperationsfähigkeit und eine Erinnerung an die Pflicht zur kollektiven Selbstfürsorge im laufenden Alltagsgeschäft.“ Damit diese gemeinsame Feier der Schulgemeinschaft lange in Erinnerung bleibt, sollten Impressionen der Veranstaltung, z. B. in Form von Fotos auf der Homepage der Schule, öffentlich gemacht werden.
Zum Abschluss der Interventionsphase und Beginn der Transferphase gilt es auch zu prüfen, wie die Würdigung während des Projekts ausgesehen hat, um daraus für zukünftige Projekte zu lernen. Hierzu können Sie das nachfolgend vorgestellte Praxistool nutzen.
Praxistool
Im Praxistool zur Gelingensbedingung 21 finden Sie ein Instrument zur Analyse und Förderung der projektbezogenen und der übergreifenden internen und externen Würdigungskultur.
Wer ist verantwortlich?
Für die Würdigungskultur sind neben der Schulleitung und der Steuergruppe letztlich alle Mitglieder der Schulgemeinschaft verantwortlich. Alle müssen Sorge tragen, dass diese Kultur individuell sowie innerhalb und zwischen den Schulklassen, dem Schulpersonal und der Elternschaft gepflegt und gefördert wird.
Grafik: Gelingensbedingung 21, Instrument 1
Gelingensbedingung 21, Instrument 1
Aus der Würdigungskultur im Projekt für Zukünftiges lernen
Ziel: Die Würdigungskultur im Projekt analysieren und das eigene Würdigungsverhalten stärken
So gehen Sie vor:
Reservieren Sie einen Termin innerhalb oder außerhalb einer Konferenz zur Aussprache über die Würdigungskultur im abgeschlossenen Projekt.
Bitten Sie die Lehrerinnen und Lehrer, die beiden folgenden Tabellen vorher in Einzelarbeit zu bearbeiten. Um sowohl die individuell-interne als auch die kollektiv-externe Würdigungskultur zu erfassen, ist es sinnvoll, dass das Instrument neben den Projektaktiven auch von nicht am Projekt beteiligten Mitgliedern der Schulgemeinschaft bearbeitet wird. Bilden Sie Arbeitsgruppen und diskutieren Sie, ob Sie mehrheitlich mit der erlebten Würdigungskultur im Projekt zufrieden sind und was Sie zukünftig in Bezug auf die Würdigungskultur verändern möchten. Folgende Fragen können Sie dabei unterstützen:
  • Ist die Rückmeldung zur Kultur der Anerkennung eindeutig oder gibt es große Unterschiede? Wer gibt besonders positive/negative Rückmeldungen – und was sind die Gründe dafür?
  • Wie unterscheiden sich Selbstwahrnehmung (der Projektaktiven) und Fremdwahrnehmung (der nicht am Projekt Beteiligten?) Wie lassen sich die Unterschiede erklären?
  • Warum haben Personen in Ihrer Schule Probleme damit, Lob und Anerkennung für ihre Arbeit anzunehmen? Gibt es dafür Gründe in der Schulkultur oder im Kollegium?
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Tabelle 1,
Kultur der Anerkennung analysieren
Was für eine Kultur der Anerkennung bzw. Würdigung habe ich im abgeschlossenen Projekt erlebt?
 Wie habe ich es im Projekt erlebt?Was wünsche ich mir für die Zukunft? Was sollten wir verändern?
Wofür wird bei uns jemand gewürdigt – wofür nicht?  
Wie wird jemand gewürdigt (kommt das bei der Zielperson an?)?  
Wer erhält viel bzw. wenig Anerkennung?  
Was gilt als selbstverständlich und wird deshalb kaum gewürdigt?  
Welche Formen der Anerkennung/Würdigung wünschen sich die Mitglieder der Schule – welche nicht?  
Welche Formen von Anerkennung haben wir außerhalb der Schule erlebt, die uns positiv aufgefallen sind? Welche davon würden wir gern einmal an unserer Schule ausprobieren?  
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Tabelle 2, Schwächen der internen und zwischenmenschlichen Würdigungskultur verstehen
Welche Schwächen der internen und zwischenmenschlichen Würdigungskultur haben sich im Projekt gezeigt? Wie können wir diese verstehen?
 Was trifft auf das abge­schlossene Projekt zu?Was können wir zukünftig tun?
Neigten die am Projekt Beteiligten zu einer Bagatellisierung ihrer Erfolge?  
Waren die Erfolgsindikatoren im Projekt realistisch und erreichbar?  
Waren die Projektaktiven überhaupt genussfähig?  
Fehlte es der Schule an einer Kultur, an Ritualen und Strukturen zum Feiern?