Schritt 4: Wie sichern wir Engagement und Motivation?

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Der Erfolg von Schulentwicklungsprozessen wird maßgeblich von dem Engagement der beteiligten Personen bestimmt. Schulentwicklungsprojekte gründen sich auf die freiwillige Mitarbeit von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, schulischen Fachkräften aus der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie sowie zum Teil von Eltern. Diese entwickeln gemeinsam Ideen und Lösungen und setzen sie um. Erlahmt das Engagement und schwindet die Motivation, sind diese Projekte zum Scheitern verurteilt, da Schulen kaum die Ressourcen haben, die notwendige Arbeitsleistung als Pflichtaufgabe zu definieren und dafür personelle Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Nur in begrenztem Maße können z. B. Freistellungen oder Entlastungsstunden für solche Projekte gewährt werden.
Daher ist es für Schulentwicklungsprojekte essentiell, die Motivation aller Beteiligten im Blick zu behalten und zu stärken. Die Motivation und das Engagement der Projektaktiven hängen vor allem von der Gestaltung des Veränderungsvorhabens ab. Anhand der in unseren Projekten gewonnenen empirischen Befunde sowie anderer Studienergebnisse lassen sich verschiedene Gestaltungselemente von Schulentwicklungsprojekten identifizieren, die Einfluss nehmen auf die Motivation und das Engagement der Projektbeteiligten. Diese werden in der folgenden Abbildung aufgeführt.
In den Gelingensbedingungen der Interventionsphase wird erläutert, welche Gestaltungselemente eines Schulentwicklungsprojektes die Erfolgszuversicht und Zufriedenheit mit dem Erreichten steigern und auf diese Weise Motivation und Engagement fördern. Dabei stehen im Schritt 4 die motivationalen Aspekte im Vordergrund, während im Schritt 5 die Qualität der Projektplanung thematisiert wird.

GELINGENSBEDINGUNG 15

Bedeutsamkeit und Stellenwert des Projekts überprüfen
Die Motivation zur Beteiligung am Veränderungsprozess bleibt erhalten, wenn neben dem Erzielen schneller Gewinne und der Würdigung der Projektaktiven die Ziele und Themen als bedeutsam erlebt werden und die Wichtigkeit des Projekts im Prozess sichtbar wird: „Kommuniziere die Vision für den Wandel!“ lautet der Auftrag an die Schulleitung. Es sollten unterschiedliche Kanäle und Anlässe genutzt werden, um die Vision als Kraftquelle für das Engagement im Kollegium und Richtungsgeber für den Wandelprozess im Bewusstsein der Lehrerinnen und Lehrer zu halten (vgl. die Gelingensbedingungen 2 und 10).
Haben Sie die wichtigen und dringlichen Themen ausgewählt?
In unseren Schulprojekten lässt sich immer wieder beobachten, dass Kollegien bei der Auswahl der Themen und Ziele für die Interventionsphase nicht die laut Diagnose oder Vision wichtigsten und brennenden Problembereiche berücksichtigen. Vor bestimmten Themen schrecken Schulen zurück, weil diese als zu konfliktbeladen und als wenig erfolgsträchtig erachtet werden oder sich eine Schule die Bearbeitung nicht zutraut, es also vermeintlich oder tatsächlich an Ressourcen und Kompetenzen fehlt. Stattdessen wird auf scheinbar leichter zu lösende und weniger konfliktreiche Handlungsfelder ausgewichen. Empirische Analysen aus unseren Projekten zeigen, dass dies dazu führen kann, dass in der Umsetzungsphase die Erfolgschancen und die Wirksamkeit des Projekts von der Schulgemeinschaft in Zweifel gezogen werden, da eben nicht die wichtigen Probleme der Schule bearbeitet werden. Dadurch schwinden der erlebte Nutzen des Projekts und somit auch die Motivation und das Engagement.
Daher sollte bereits bei der Auswahl der Handlungsfelder des Projekts darauf geachtet werden, dass die dringenden und schwerwiegenden Probleme Berücksichtigung finden. Dies ist Inhalt der Gelingensbedingung 5 in der Start- und Planungsphase in diesem Leitfaden. Aber auch im laufenden Prozess sollten sich die Schulleitung und die Steuergruppe gemeinsam mit den Projektaktiven regelmäßig die Zeit nehmen zu prüfen, ob in der Interventionsphase für die Schule und das Kollegium, die Schülerinnen und Schüler oder Eltern wichtige und bedeutsame Themen und Ziele bearbeitet werden.
Folgende Fragen können Sie dabei unterstützen:
  • Welche Rolle spielt das Entwicklungsvorhaben in Ihrem Schulalltag?
  • Wie groß ist das Interesse an den vereinbarten Entwicklungszielen und -themen?
  • Wie zufrieden sind die Lehrerinnen und Lehrer mit der Themenwahl für den Entwicklungsprozess?
  • Wie hoch ist das Engagement zur Bearbeitung der vereinbarten Entwicklungsziele?
  • Finden Sie in der Schule Gelegenheiten, um sich über den Fortgang im Veränderungsprozess auszutauschen? Haben die Lehrkräfte Ihrer Schule Interesse an einem Informationsaustausch darüber?
Welchen Stellenwert hat Ihr Projekt in der Schule? Welche Unterstützung erfährt es durch die Schulleitung?
Ein einzelnes Entwicklungsvorhaben steht zumeist in Konkurrenz mit anderen Projekten und den alltäglichen Arbeitsaufgaben. Daher ist die Gefahr – gerade bei langfristigen Entwicklungsvorhaben – groß, dass es von anderen dringlichen Aufgaben verdrängt wird. Um dem entgegenzuwirken, ist es notwendig, dass das Projekt eine hohe Priorität besitzt und diese immer wieder herausgestellt wird. Es muss verdeutlicht werden, dass das Projekt nicht nur das Privatvergnügen einiger weniger ist, sondern von essentieller Bedeutung für die Entwicklung der Schule. Die Projektverantwortlichen sollten einen klaren Auftrag der Schulgemeinschaft haben, damit deutlich wird, dass ihr Engagement dem Wohlergehen der Schule dient und sie nicht nur ihre Privatinteressen befriedigen.
Von entscheidender Bedeutung ist die Unterstützung des Projekts durch die Schulleitung. Die Schulleitung muss die Wichtigkeit des Projekts und seine strategische Bedeutung immer wieder hervorheben und dies auch im Schulalltag zeigen, z. B. indem sie das Engagement der Projektaktiven würdigt. So kann zum einen die Motivation der Projektaktiven gestärkt und zum anderen einer schleichenden Entwertung des Projekts durch skeptische Dritte entgegengewirkt werden.
In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht, mit deren Hilfe Sie sich damit auseinander setzen können, ob Ihre Schule die bedeutsamen und wichtigen Themen und Ziele für den Veränderungsprozess ausgewählt hat und was Sie tun können, um die Bedeutsamkeit des Vorhabens sichtbar zu machen.
Indikatoren für mangelnde Akzeptanz eines Entwick­lungs­vorhabensHintergrund und Handlungsmöglichkeiten
Es beteiligen sich nur wenige Lehrkräfte an Projektgruppen.
Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Vielleicht ist dem Kollegium der (persönliche und organisationale) Gewinn durch das Vorhaben nicht deutlich genug geworden oder im Prozess in den Hintergrund geraten. Was Sie in diesem Fall tun können, wird in der Gelingensbedingung 2 erläutert. Es kann aber auch daran liegen, dass die wichtigsten und brennenden Problembereiche nicht bearbeitet werden. Hier wäre es sinnvoll, den Interventionsprozess zu unterbrechen und noch einmal die Gelingensbedingungen aus der Startphase in den Blick zu nehmen. Was sind derzeit die wichtigen Themen in Ihrer Schule? Wurde eine ausreichende Zielklärung vorgenommen? Haben Sie die Ziele aus einer gemeinsam entwickelten Vision oder aufgrund von Diagnoseergebnissen abgeleitet? Konnten sich alle Betroffenen an der Ziel- und Themenfindung beteiligen und ihre Bedenken und Wünsche einbringen?
Grund für die mangelnde Beteiligung kann auch Überforderung sein. Die Lehrkräfte beteiligen sich z. B. nicht, weil sie glauben, nicht über ausreichende Kompetenzen zu verfügen, ihnen die Unterstützung von der Schulleitung fehlt, sie durch Misserfolge in früheren Projekten frustriert sind oder sie Angst vor den Konsequenzen, z. B. dem Aufbrechen kollegialer Konflikte, haben. Hier könnte es hilfreich sein, vor der Weiterarbeit am Vorhaben mögliche Ängste und Sorgen mit einer externen Moderation aufzuarbeiten und entsprechende Ressourcen, wie z. B. Fortbildungen, zur Verfügung zu stellen.
Viele Lehrkräfte stellen die Sinnhaftigkeit des Entwicklungs­vorhabens in Frage.
Dies deutet auf Zielkonflikte hin. Stehen die schulischen Handlungsziele in kritischer Konkurrenz zu den beruflichen und privaten Hauptaufgaben und Zielen der Lehrkräfte? Ist es in der Startphase nicht gelungen, sich im Diskurs auf gemeinsame Ziele zu verständigen? Anregungen zur Aufarbeitung von Zielkonflikten finden Sie in den Gelingensbedingungen 5 und 6.
Ist der Prozess der gemeinsamen Zielfindung nicht gelungen, kann die Kritik am Entwicklungsvorhaben auch innere Widerstände und Blockaden hervorrufen. Wenn sich diese im Interventionsprozess zeigen, sollte die Projektarbeit unterbrochen werden, um die Gründe für den Widerstand analysieren zu können. Hilfen dazu finden Sie in der Gelingensbedingung 10.
Das Entwicklungsvorhaben spielt im Schulalltag nur eine marginale Rolle.
Hier gilt es, die Bedeutung des Entwicklungsvorhabens immer wieder hervorzuheben. Reservieren Sie z. B. in jeder Konferenz einen Top auf der Tagesordnung für das Entwicklungsvorhaben, bei dem über Fortschritte und erzielte Erfolge berichtet werden kann. Die Schulleitung sollte öffentlich die Wichtigkeit des Entwicklungsvorhabens für die Schule betonen und deutlich machen, dass die Projektverantwortlichen im Auftrag der Schule handeln.
Vielleicht haben Sie sich aber auch bezüglich der zur Verfügung stehenden Ressourcen verschätzt? Spielt das Entwicklungsvorhaben deshalb keine Rolle, weil die Lehrkräfte keine Zeit zur Bearbeitung finden? Hier wäre es nützlich, mit Hilfe der Instrumente aus der Gelingensbedingung 12 zu klären, welche personellen und finanziellen Ressourcen für das Projekt zur Verfügung stehen und ob diese ausreichen. Sinnvoll könnte es auch sein, das Entwicklungsvorhaben in bearbeitbare Teilziele zu gliedern und einen längeren Zeitraum einzuplanen, um auch bei geringen Zeitressourcen Erfolge zu erzielen.
Praxistool
Das im Folgenden angebotene Instrument können Sie nutzen, wenn Sie im Prozess die Bedeutsamkeit und Wichtigkeit der gewählten Themen und Ziele überprüfen möchten.
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich ist die Schulleitung. Sie sollte die Sinnhaftigkeit der Ziele und Themen eines Entwicklungsvorhabens kritisch reflektieren – sowohl in der Planungs- als auch in der Umsetzungsphase. Sie muss gegebenenfalls auch die Entscheidung treffen, ein Entwicklungsvorhaben abzubrechen, wenn sich die verfolgten Ziele als nicht wichtig und dringlich genug erweisen.
Grafik: Gelingensbedingung 15, Instrument 1
Gelingensbedingung 15, Instrument 1
Bedeutsamkeit der Ziele prüfen
Ziel: Gewählte Ziele und Themen auf Bedeutsamkeit und Wichtigkeit hin prüfen sowie Handlungsansätze für die Stärkung der Bedeutsamkeit finden
So gehen Sie vor:
Bilden Sie eine Arbeitsgruppe. Die Gruppe sollte das Kollegium repräsentieren können. Achten Sie darauf, die Gruppe heterogen zu gestalten (ältere und jüngere Lehrkräfte, Männer und Frauen, verschiedene Fachrichtungen, Expertinnen und Experten für das Thema, Mitglieder der Schulleitung, der Steuergruppe, des Personalrats). Laden Sie auch Lehrkräfte zur Mitarbeit ein, die dem Entwicklungsvorhaben skeptisch gegenüber stehen oder die bereits in der Vergangenheit in größeren Projekten mitgearbeitet haben. Je nach Thema sollten auch Fachkräfte aus der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie sowie Schülerinnen, Schüler oder Eltern dabei sein.
Wenn Sie das Instrument bearbeitet haben, stellen Sie Ihre Ergebnisse dem Kollegium vor und besprechen Sie mit diesem das weitere Vorgehen:
  • Soll das Thema bzw. Ziel weiter bearbeitet werden?
  • Sollte Ihre Schule das Projekt vorerst stoppen und noch einmal an der Zielfindung arbeiten?
Schritt 1: Mit diesem Schritt prüfen Sie, ob Sie das Thema bzw. Ziel überhaupt weiter verfolgen sollen oder nicht. Ist das Ziel noch wichtig und dringlich? Füllen Sie die Tabelle 1 gemeinsam aus und diskutieren Sie in der Arbeitsgruppe Ihre Ergebnisse. Günstig ist es, die Tabelle auf eine Stellwand oder ein Whiteboard zu übertragen und die Diskussionsergebnisse festzuhalten. Schauen Sie auch noch einmal in die Gelingensbedingungen aus der Start- und Planungsphase in diesem Leitfaden. Hier finden Sie Instrumente und Anregungen.
Schritt 2: Wenn Sie entschieden haben, das Ziel weiter zu verfolgen, können Sie zum Schritt 2 übergehen. In diesem geht es darum, wie ein eigentlich bedeutsames Thema auch als solches wahrgenommen wird bzw. den entsprechenden Stellenwert in der Schule erhält. Bearbeiten Sie Tabelle 2 gemeinsam mit den Personen in der Schulgemeinschaft, die für das jeweilige Thema zuständig sind, z. B. mit den Moderatorinnen und Moderatoren der thematischen Projektgruppen. Die Ergebnisse sollten dokumentiert werden.
Tabelle 1
Thema/Ziel eintragen:
Wird das Projekt in der Schule von der Mehrheit als bedeutsam betrachtet? Für wen ist das Projekt wichtig und für wen nicht?Gibt es wichtigere/ drängendere Ziele und Themen? Lohnt sich der Aufwand für den zu erwartenden Nutzen?Mögliche Gründe für eine fehlende Bedeutsamkeit?Was können Sie nun tun? Welche Antworten finden Sie auf die Gründe für die fehlende Bedeutsamkeit?
    
Tabelle 2
Projekt/Thema/Ziel eintragen: 
Was wollen wir konkret tun, um den Stellenwert des Projekts zu stärken?Wer ist dafür verantwortlich?Wer ist daran beteiligt?Bis wann wird es getan?Welche zusätzlichen Ressourcen werden benötigt?
     
Wie geht es weiter?
Ging es in der Gelingensbedingung 15 um den Erhalt und die Herausstellung der Bedeutsamkeit und Wichtigkeit des Themas bzw. Ziels für den Schulentwicklungsprozess, steht in der Gelingensbedingung 16 die Gruppe als Wandelmedium im Mittelpunkt. Welche Rolle spielt die Gruppenarbeit für die Entwicklung hin zu einer guten gesunden Schule? Es ist nicht nur wichtig – wie in den Gelingensbedingungen 5 und 6 beschrieben – in der Planungs- und Startphase gemeinsam Ziele für den Veränderungsprozess zu entwickeln. Darüber hinaus sollten diese Entwicklungs- und Handlungsziele im Laufe des Prozesses auch gemeinsam bearbeitet werden. Was benötigen diese Gruppen, um den Wandel erfolgreich zu initiieren? Welche Gruppenformen haben sich für Schulentwicklungsprozesse als nützlich erwiesen? Antworten und Hilfestellungen zu diesen und weiteren Fragen erhalten Sie im Folgenden.

GELINGENSBEDINGUNG 16

Gruppen als Wandelmedium nutzen
Für einen erfolgreichen Entwicklungsprozess und um eine dauerhafte Veränderung von Verhalten und Einstellungen der Beteiligten zu erreichen, hat sich das gemeinsame Arbeiten in Gruppen an selbst gewählten Zielen und Themen als hilfreich erwiesen. Gruppen sind ein Wandelmedium: Soziale Kontrolle, öffentliche Verpflichtung und wechselseitige Unterstützung tragen dazu bei, dass Hindernisse und Krisen eher überwunden und Veränderungsanstrengungen verstetigt werden. Hierbei sollten den Gruppen weitgehende Handlungsspielräume bei der Entwicklung und Umsetzung gesundheits- und qualitätsförderlicher Maßnahmen gegeben werden. Zusammen mit anderen ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, führt zu einer emotionalen Bindung an das Projekt und fördert die Partizipation. Etwas selbst Entwickeltes wird stärker verteidigt und mit mehr Elan vorangetrieben. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt besteht darin, dass Lehrkräfte erkennen können, dass gemeinsames Arbeiten an Problemen fruchtbar und befriedigend sein kann. Dies kann zu einer Stärkung von Kooperation und sozialer Unterstützung in den Schulen führen. Durch das Zusammenbringen unterschiedlicher Personen in den Gruppen entstehen zudem manchmal Kooperationen, die neues Problemlösepotential erschließen und die weitere Ressourcen eröffnen können. Das in der Schule vorhandene Expertenwissen wird neu organisiert und verknüpft, die Problemlösekompetenz der Schule und die kollektive Selbstwirksamkeit gestärkt. Die neuen Erfahrungen in der Zusammenarbeit kommen im Gelingensfall der weiteren Schulentwicklung zu Gute. Dies setzt voraus, dass die Gruppen erfolgreich und für alle Beteiligten zufriedenstellend arbeiten. Es sollte deshalb im Veränderungsprozess zur Prozessevaluation gehören, die Qualität der Zusammenarbeit zu erfassen und z. B. regelmäßig die Zufriedenheit der Projektaktiven mit der Gruppenarbeit zu messen. Diese Erkenntnisse können zur Optimierung der Gruppenarbeit genutzt werden.
Welche Gruppen haben sich im Veränderungsprozess bewährt?
1. Projektgruppen für die Bearbeitung und Umsetzung der Handlungsziele
Zu den in der Start- und Planungsphase bestimmten Handlungszielen (vgl. Gelingensbedingung 6) werden Projektgruppen gebildet. Diese entwickeln Lösungen und Maßnahmen und setzen sie nach Möglichkeit auch um. Die Beteiligung an einer Projektgruppe sollte freiwillig sein. Ebenso sollten die Lehrkräfte und ggf. Schülerinnen und Schüler sowie Eltern selbst entscheiden können, in welcher Projektgruppe sie mitarbeiten wollen. Dadurch wird ein hohes Maß an Interesse und Engagement gewährleistet.
Die Projektgruppen werden offiziell beauftragt, nach Lösungen für das jeweilige Problemfeld zu suchen und Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln. Der offizielle Auftrag sollte von der Schulleitung kommen und vom Kollegium mitgetragen werden, um die Bedeutsamkeit des Themas für die Schule herauszustellen.
2. Steuergruppe als temporäres Management
Mögliche Lösungen und Maßnahmen werden der Steuergruppe (zur Zusammensetzung der Steuergruppe vgl. Gelingensbedingung 14) vorgestellt. Die Steuergruppe prüft die Erfolgsaussichten und die Realisierbarkeit der entwickelten Maßnahmen, berät die Projektgruppe z. B. bei der Suche nach alternativen Lösungen und entscheidet in Abstimmung mit der Schulleitung über die Umsetzung der Maßnahmen. Bei einem positiven Bescheid wird die Arbeitsgruppe mit der Umsetzung beauftragt. Die folgende Abbildung zeigt das Zusammenspiel von Schulleitung, Steuergruppe und thematisch arbeitenden Projektgruppen.
Was brauchen die Gruppen, um erfolgreich den Wandel zu initiieren?
Die optimale Gruppengröße beträgt drei bis fünf Personen. Die Erfahrung aus unseren Projekten zeigt, dass die Gruppen erfolgreicher arbeiten, wenn die Sitzungen von einer Moderatorin/einem Moderator geleitet werden. Die Moderatorinnen und Moderatoren sollten aus dem Kreis der Lehrkräfte stammen und für diese Aufgabe geschult werden (z. B. in Methoden des Projektmanagements und in Moderationstechniken).
Auch wenn die Beteiligung an einer Projektgruppe auf Freiwilligkeit beruht, liegt es doch im Interesse der Schulgemeinschaft, gute und arbeitsfähige Teams zu bilden. Studien zeigen, dass bei der Zusammensetzung einer Gruppe inhaltliches Interesse und Wertschätzung wichtiger sind als Freundschaft. Die Leistung der Gruppe ist umso besser, je stärker die Arbeit durch inhaltliches Interesse am Thema bestimmt wird. Auch sollten Gruppen – falls möglich – heterogen zusammengesetzt sein, da dies sowohl die Leistungsfähigkeit und Kreativität als auch die Akzeptanz im Kollegium stärkt.
Es kann auch sinnvoll sein, Schulmitglieder mit besonderen Kompetenzen oder einem speziellen Wissen zur Mitarbeit einzuladen. Manchmal ist es sogar notwendig, externe Expertisen in die Schule zu holen und z. B. Fachleute zu Projektgruppensitzungen einzuladen.
Die folgende Abbildung zeigt die Merkmale guter und erfolgreicher schulischer Gruppen oder Teams im Überblick (in Anlehnung an Hissnauer, 2009).
Gute und erfolgreiche Gruppen …
  • arbeiten nach einem klaren Auftrag der Schulleitung bzw. der Gesamtkonferenz/des Kollegiums.
  • bekommen für diese Arbeit Ziele vorgegeben oder setzen sich diese im Rahmen des an sie ergangenen Auftrags selbst.
  • haben Entscheidungsbefugnisse für ihr Thema/ihren Auftrag.
  • sind in die Organisationsstruktur der Schule eingebettet (z. B. durch die Beziehung zur Steuergruppe).
  • vereinbaren Maßnahmen, um ihrem Auftrag in einer definierten Frist zu entsprechen.
  • geben sich Regeln für ihre Zusammenarbeit, Kommunikation und Konfliktlösung.
  • haben eine Gruppenleitung, welche die Organisation gewährleistet und die Gruppe nach außen vertritt.
  • haben eine Moderation, die dafür sorgt, dass Gruppentreffen effizient verlaufen.
  • dokumentieren ihre Arbeit (führen z. B. Protokolle) und informieren darüber.
  • haben ausreichende Zeitfenster und Räume für die Bearbeitung des Auftrags.
  • gehen offen, konstruktiv und vertrauensvoll miteinander um.
  • arbeiten nach dem Prinzip der Arbeitsteilung, das die Kompetenzen und die Belastbarkeit der einzelnen Gruppenmitglieder berücksichtigt.
  • treffen Entscheidungen, die verbindlich sind.
Zum Weiterlesen
Bräuer, B. & Petzel, T. (2012): Arbeiten in Projektgruppen zur schulischen Gesundheitsförderung. Verfügbar unter: http://www.handbuch-lehrergesundheit.de.
Praxistool
In diesem Praxistool finden Sie zwei Instrumente. Mit dem ersten können Sie überprüfen, ob Sie alle Erfolgskriterien für eine gelungene und funktionierende Gruppenarbeit erfüllen.
Mit dem zweiten Instrument erhalten Sie einen Fragebogen zur Messung der Gruppenzufriedenheit und Prüfung der Merkmale, die für erfolgreiches Arbeiten in der Gruppe wichtig sind. Dieser Fragebogen sollte im laufenden Prozess kontinuierlich bearbeitet werden. Prüfen Sie – in größeren Abständen –, ob die Zusammenarbeit zielführend und zufriedenstellend verläuft.
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich sind die Steuergruppe und die Schulleitung. Die Schulleitung trägt die Verantwortung für den Gesamtprozess. Die Initiierung und Unterstützung kollegialer Zusammenarbeit in Gruppen als Teil des Personalmanagements kann auch an die Steuergruppe delegiert werden. Gemeinsam mit der Schulleitung muss die Steuergruppe bei Bedarf Ressourcen sichern, z. B. für Fortbildungen zu Moderationstechniken. Allerdings sind auch die Gruppen selbst mitverantwortlich bei der Gestaltung, aber auch Erfassung und Dokumentation der Gruppenprozesse.
Grafik: Gelingensbedingung 16, Instrument 1
Gelingensbedingung 16, Instrument 1
Gruppen als Wandelmedium fördern
Ziel: Gruppenarbeit unterstützen und Projektaktive qualifizieren
So gehen Sie vor:
Bilden Sie eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Schulleitung, der Steuergruppe (falls vorhanden) sowie der Verantwortlichen für die Projektgruppen. Teilnehmen sollte bei Bedarf auch die/der Fortbildungsbeauftragte der Schule. Nehmen Sie die folgende Tabelle als Vorlage und diskutieren Sie darüber. Wenn Sie einen konkreten Änderungsbedarf feststellen, legen Sie fest, wer dafür zuständig ist, bis wann die Änderung umgesetzt wird und woran gemessen wird, ob die Änderung erfolgreich war. Indikatoren für den Erfolg einer Änderung könnten z. B. sein, dass nach einer Schulung zu Moderationstechniken Projektgruppen konfliktfreier oder zügiger arbeiten (gemessen über ein kurzes Blitzlicht zum Ende der Gruppenarbeitszeit). Halten Sie die Indikatoren für den Erfolg schriftlich fest, damit Sie es überprüfen können.
Die Arbeit der Gruppen unterstützen
 Tun wir das schon? Sind wir damit zufrieden?Was nehmen wir uns konkret für die Verbesserung der Gruppenarbeit vor?
Steuergruppe qualifizieren (Change-Management, Evaluation, Moderation etc.)  
Moderatorinnen und Moderatoren für die Projektgruppen ausbilden  
Kooperative, selbstgesteuerte Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Schulqualität ermöglichen  
Projektgruppen können mit Unterstützung der Steuergruppe Maßnahmen umsetzen  
Grafik: Gelingensbedingung 16, Instrument 2
Gelingensbedingung 16, Instrument 2
Evaluation der Gruppenarbeit durchführen
Ziel: Den Prozess und Erfolg der Gruppenarbeit erfassen (in Anlehnung an einen Fragebogen aus dem BLK-Modellversuch ProAKzEnt). Eine Diagnose der Funktionsfähigkeit von Gruppen durchführen und die Faktoren bestimmen, die für eine erfolgreiche Gruppenarbeit wichtig sind.
So gehen Sie vor:
Im vorliegenden Fragebogen geht es um das Klima bzw. die Atmosphäre in Ihrer Gruppe. Es werden unterschiedliche Aspekte beschrieben, wie zum Beispiel die Relevanz der Gruppenziele, das Verhalten der Gruppenmitglieder untereinander, die Gruppenbetreuung oder die Koordination der Aufgaben in der Gruppe. Der Fragebogen dient als Instrument der Selbstevaluation der Gruppe. Er sollte regelmäßig eingesetzt werden. Die ausgewerteten Ergebnisse sollten an die Steuergruppe gegeben werden, damit rechtzeitig daran gearbeitet werden kann, Gruppenprozesse zu verbessern und den Stellenwert der Gruppe im Kollegium zu verändern.
Jeder der folgenden Aspekte zur Arbeit in der Gruppe ist in Form zweier gegensätzlicher Aussagen dargestellt. Zwischen den beiden Aussagen sind 5 Ankreuzmöglichkeiten vorgegeben. Kreuzen Sie bitte für jeden Aspekt den Kreis zwischen den beiden Aussagen an, der Ihre Gruppe – Ihrer persönlichen Einschätzung nach – am besten beschreibt.
Auswertung: Lassen Sie den Fragebogen in Einzelarbeit ausfüllen. Günstig ist es, wenn die Steuergruppe die Fragebögen auswertet. Addieren Sie für jedes Item die Antworten und teilen Sie diese durch die Anzahl der Fragebögen (Mittelwert). Alternativ können Sie auch berechnen, wie viel Prozent der Gruppe jeweils „4“ oder „5“ (hohe Zustimmung) angekreuzt haben.
Je höher der Mittelwert, umso positiver ist die Einschätzung. Erstellen Sie ein Gesamtbild der Gruppe. Wenn Sie den Fragebogen mehrfach einsetzen, dokumentieren Sie damit die Entwicklung der Gruppenprozesse, wie das Beispiel zeigt:
Gruppenname: Ruheraum einrichten
 Mittelwert am 12.10.2013Mittelwert am 14.02.2014Mittelwert am 06.05.2014
Wir stimmen in unseren Zielen überein.2,12,64,1
In der Gruppe sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten (Rollen) geklärt.4,54,13,7
   
An dem Beispiel wird auch deutlich, dass sich manche Probleme in der Gruppenarbeit erst im Arbeitsprozess ergeben. Auch wenn die Verantwortlichkeiten und Aufgaben der Gruppe in der ersten Sitzung schriftlich fixiert wurden, zeigt sich doch erst nach mehreren Sitzungen, ob sich alle Beteiligten an ihre Rollen halten.
Stellen Sie der Gruppe die Ergebnisse vor und besprechen Sie diese.
Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:
  • Welchen Gesamteindruck vermitteln die Ergebnisse?
  • Sind Sie als Steuergruppe/Projektgruppe damit zufrieden?
  • Wie erklären Sie sich überraschende (positive oder negative) Ergebnisse?
  • Was können Sie tun, wenn die Ergebnisse von Ihren Erwartungen abweichen?
  • Zu welchen Merkmalen erfolgreicher Gruppenarbeit ergibt sich der größte Handlungsbedarf?
  • Kann die Gruppenarbeit weiter fortgesetzt werden oder muss sie unterbrochen und z. B. das Ziel oder die Arbeitsweise der Gruppe noch einmal kritisch betrachtet werden?
  • Welche Ressourcen benötigen Sie (z. B. Fortbildung, Beratung, größere Zeitfenster …)?
  • Wann sollte die Gruppenbefragung erneut durchgeführt werden, um Veränderungen in der Einschätzung (z. B. beeinflusst durch Maßnahmen) festzustellen?
Drucker-Icon
Gruppennamen und Datum der Befragung eintragen:
 5   4   3   2   1 
Unsere Ziele bzw. Teilziele sind realistisch und erreichbar.
kleine Kästchen
Unsere Ziele/Teilziele sind unrealistisch und unerreichbar.
Wir stimmen in unseren Zielen überein.
kleine Kästchen
Wir stimmen in unseren Zielen nicht überein.
In dieser Gruppe ist allen klar, was wir erreichen möchten.
kleine Kästchen
In dieser Gruppe ist nicht allen klar, was wir erreichen möchten.
Die Ziele, an denen wir arbeiten, sind mir persönlich wichtig.
kleine Kästchen
Die Ziele, an denen wir arbeiten, sind mir persönlich unwichtig.
Ich habe den Eindruck, dass unser Ziel einen wichtigen Beitrag für die Schule/das Kollegium liefert.
kleine Kästchen
Ich habe nicht den Eindruck, dass unser Ziel einen wichtigen Beitrag für die Schule/das Kollegium liefert.
Die Arbeit in der Gruppe macht mir Spaß.
kleine Kästchen
Die Arbeit in der Gruppe macht mir keinen Spaß.
Wir fühlen uns als eine Gruppe/ein Team.
kleine Kästchen
Ein „Wir-Gefühl“ ist bei uns bisher nicht entstanden.
Wir haben funktionierende Gruppenregeln.
kleine Kästchen
Wir haben keine Gruppenregeln.
In der Gruppe sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten (Rollen) geklärt.
kleine Kästchen
In der Gruppe sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht geklärt.
In der Gruppe haben wir das notwendige Fachwissen.
kleine Kästchen
In der Gruppe fehlt uns notwendiges Fachwissen.
Wir haben ausreichend Zeit und Gelegenheit, uns zu treffen.
kleine Kästchen
Wir haben nicht ausreichend Zeit und Gelegenheit, uns zu treffen.
Terminabsprachen werden eingehalten.
kleine Kästchen
Terminabsprachen werden nicht eingehalten.
In der Gruppe können wir konstruktiv Kritik üben und offen mit Fehlern umgehen.
kleine Kästchen
In der Gruppe können wir weder konstruktiv Kritik üben noch offen mit Fehlern umgehen.
Wir haben alle Einfluss auf wichtige Entscheidungen.
kleine Kästchen
Wir haben keinen Einfluss auf wichtige Entscheidungen.
Die Moderation während der Gruppensitzungen ist gut.
kleine Kästchen
Die Moderation in den Gruppensitzungen funktioniert nicht.
Der Informationsfluss innerhalb der Gruppe funktioniert gut.
kleine Kästchen
Der Informationsfluss innerhalb der Gruppe funktioniert nicht.
Spannungen und Konflikte in der Gruppe werden offen angesprochen.
kleine Kästchen
Spannungen und Konflikte in der Gruppe werden verschwiegen.
Für unser Ziel erhalten wir alle notwendigen Ressourcen und Mittel.
kleine Kästchen
Für unser Ziel erhalten wir keinerlei Ressourcen und Mittel.
Wir tauschen uns mit anderen Gruppen aus.
kleine Kästchen
Wir tauschen uns nicht mit anderen Gruppen aus.
Die Steuergruppe berät und unterstützt uns ausreichend.
kleine Kästchen
Die Gruppe wird überhaupt nicht von der Steuergruppe unterstützt.
Bei Problemen können wir uns jederzeit an die Steuergruppe wenden.
kleine Kästchen
Bei Problemen werden wir von der Steuergruppe allein gelassen.
Unsere Arbeitsergebnisse können vom Kollegium jederzeit eingesehen werden.
kleine Kästchen
Unsere Arbeitsergebnisse können nicht eingesehen werden.
Das Kollegium interessiert sich für unsere Arbeit.
kleine Kästchen
Das Kollegium ist an unserer Arbeit nicht interessiert.
Bei Bedarf unterstützt uns das Kollegium mit Fachwissen oder kleinen Zuarbeiten.
kleine Kästchen
Das Kollegium unterstützt uns überhaupt nicht.
Die Schulleitung würdigt und unterstützt unsere Arbeit.
kleine Kästchen
Die Schulleitung würdigt und unterstützt unsere Arbeit nicht.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie dem Leitfaden bisher gefolgt sind, haben Sie geprüft, ob Ihre zu Beginn des Veränderungsprozesses gewählten Entwicklungsziele bedeutsam für die Schule sind und in der Interventionsphase weiter bearbeitet werden können. Sie haben sich damit auseinandergesetzt, ob das Projekt einen hohen Stellenwert in der Schule hat und was Sie zur Förderung von Gruppen als Wandelmedium für Entwicklungsprozesse tun können. In der Gelingensbedingung 17 geht es nun darum, das Engagement im Entwicklungsprozess durch das Sichtbarmachen von Erfolgen und die Etablierung von Würdigung und Anerkennung zu stützen.

GELINGENSBEDINGUNG 17

Erfolge sichtbar machen und Engagement würdigen
Ein umfassendes Projekt zur Förderung der Gesundheit und Schulqualität ist auf das freiwillige Engagement vieler angewiesen. Wichtige Motivationsquellen für ein solches Engagement lassen sich durch die beiden folgenden Strategien erschließen:
Erzielen und Sichtbarmachen frühzeitiger Erfolge
Schnelle Erfolge können vor allem durch ein geschicktes Projektmanagement erzielt werden. Wenn in der Planung und Umsetzung des Veränderungsvorhabens kurzfristig erreichbare Ziele zuerst bearbeitet und langfristige Ziele in bewältigbare Teilziele zerlegt werden, können erste Erfolge frühzeitig sichtbar werden.
Tipp
Setzen Sie als erste Meilensteine kurzfristig erreichbare Ziele. Schnelle und sichtbare Erfolge stärken die Motivation aller Beteiligten. Geben Sie beispielsweise auf Konferenzen, der Schulhomepage und/oder in der regionalen Presse Erreichtes bekannt. Bewährt hat sich auch, im Lehrerzimmer eine Stellwand zu den Projekten im Veränderungsprozess aufzustellen und Projekterfolge dort für alle sichtbar zu dokumentieren. Mit diesen Maßnahmen wird die Erfolgszuversicht der Projektaktiven und des Kollegiums gestärkt.
 
So glauben die Schulmitglieder und die im Projekt Aktiven eher daran, in der Lage zu sein, auch die ferneren Ziele des Entwicklungsprojekts zu erreichen. Diese Strategie wirkt sich langfristig auf die kollektive Selbstwirksamkeit – den Glauben an die Stärke des Kollegiums – und die Verbundenheit mit dem Entwicklungsziel aus.
Würdigung und Anerkennung durch das Kollegium und die Schulleitung
Bedeutende Motivationsquellen für das Engagement in Veränderungsprozessen sind die Würdigung und Anerkennung durch das Kollegium und die Schulleitung. Zu erfahren, dass die eigenen Anstrengungen gesehen und als wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Schule gewürdigt werden, ist eine wichtige Gratifikation für die Projektaktiven.
Fehlen diese Anerkennung und Würdigung, wird Motivation untergraben. Die Projektaktiven stellen sich dann eher die Frage: „Warum wende ich Zeit und Energie für ein Schulprojekt auf, wenn das ohnehin niemanden interessiert?“. Wertschätzung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Mangelnde Wertschätzung und Würdigung werden oft als Kränkung erlebt und können auf Dauer zu Gesundheitseinschränkungen führen.
Tipp
Belohnung für Engagement schafft Motivation für weiteres Engagement! Eine Wertschätzung von Engagement kann sich auch indirekt ausdrücken, zum Beispiel durch die Übertragung von Verantwortung. Die Projektaktiven erfahren damit eine Würdigung ihrer Kompetenzen („Die Schulleitung traut uns zu, dass wir das schaffen!“), die durch ein direkt ausgesprochenes Lob noch verstärkt werden kann.
Bedanken Sie sich als Schulleitung bei den Projektgruppen (z. B. bei der Erreichung eines Teilziels) bzw. zeigen Sie bei Misserfolgen Verständnis und bieten Ihre Unterstützung an. Wertschätzung erfahren Projektaktive zudem, wenn man sie als Expertinnen und Experten für ihr Projektthema ansieht und sie um ihre Meinung fragt, sie bei Entscheidungen einbezieht und um Rückmeldung bittet.
 
Wie können Schulen dazu beitragen, Erfolge im Entwicklungsprozess sichtbar zu machen und das Engagement der Beteiligten zu würdigen?
1.
Durch ein funktionierendes Informations- und Kommunikationsmanagement Erfolge sichtbar machen und Engagement würdigen.
In unseren Projekten hat sich häufig gezeigt, dass trotz gemeinsamer Zielentwicklung und Themenfindung nur wenige Lehrkräfte im Veränderungsprozess über die Aktivitäten der Projektgruppen informiert waren. Information und Kommunikation sind jedoch die Voraussetzungen dafür, Erfolge sichtbar zu machen und Engagement würdigen zu können. Es ist deshalb notwendig, bei der Projektplanung auch über das Informations- und Kommunikationsmanagement im Projekt nachzudenken.
Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:
  • Welche Informationskanäle werden in Ihrer Schule genutzt? Welche weiteren benötigen Sie, um über das Entwicklungsprojekt informieren zu können?
  • Wie wird über das Projekt informiert? Stehen die Protokolle der Projektgruppen in einem Ordner im Lehrerzimmer oder im Intranet zur Verfügung?
  • Gibt es im Lehrerzimmer vielleicht eine Stellwand, auf der die im Entwicklungsprojekt bearbeiteten Themen und erzielten Fortschritte dokumentiert sind?
  • Wird auf Konferenzen über die Projektentwicklung gesprochen? Werden die Projektaktiven eingeladen, über ihre Ergebnisse zu berichten?
  • Gibt es z. B. einen Newsletter zum Entwicklungsvorhaben?
2.
Erfolge feiern und die Verantwortlichen würdigen
Wie oben beschrieben ist das Feiern erzielter Erfolge ein wichtiger Baustein zur Entwicklung einer Würdigungskultur im Entwicklungsprozess. Bei der Projektplanung sollte überlegt werden, wie solche Feiern aussehen könnten. Welche Erfahrungen hat Ihre Schule schon damit, wie wurde in vorherigen Projekten verfahren? Am einfachsten ist es, Feiern an Meilensteinsitzungen anzuschließen (vgl. Gelingensbedingung 19). An diesen Sitzungen sind in der Regel die Projektverantwortlichen anwesend. Meilensteinsitzungen dienen unter anderem dazu, eine strukturierte Rückschau auf das bisher im Projekt Erreichte vorzunehmen und Erfolge bzw. Misserfolge zu bilanzieren. Kleine Feiern mit Essen und Trinken können solche Sitzungen abrunden und das Engagement der Beteiligten würdigen. Erfolge feiern kann aber auch bedeuten, auf der Lehrerkonferenz nach einem Projektbericht zu klatschen, einen Kuchen im Lehrerzimmer auszugeben oder sich mit den Projektverantwortlichen zu einem Abendessen zu treffen. Würdigung drückt sich auch darin aus, wie die Projektaktiven selbst ihre Arbeit gestalten. Gibt es bei der Auftaktsitzung eine Begrüßung durch die Schulleitung oder Steuergruppe und eine angenehme Arbeitsumgebung mit Angeboten zum Essen und Trinken? Wie sorgen die Projektgruppen im Veränderungsprozess für eine gute Arbeitsumgebung?
3.
Durch Feedback Engagement würdigen und Erfolge sichtbar machen
Feedback kann einerseits eine konstruktive Rückmeldung zur Weiterentwicklung des Projekts bedeuten (auch Kritik oder Rückmeldung zu erzielten Wirkungen) und andererseits direkte Würdigung sein. Die Art und Weise, wie in der Schule mit Fehlern, Erfolgen und Lernen umgegangen und Feedback gegeben wird, trägt erheblich zur Innovationsfähigkeit der Schule bei. Ein offener und konstruktiver Umgang mit Fehlern und Erfolgen steigert die Bereitschaft der Lehrkräfte, neu erworbenes Wissen im Arbeitsalltag einzusetzen und Ideen einzubringen. Ein Feedback von der Steuergruppe z. B. kann dazu beitragen, dass die Projektaktiven selbst erkennen, wie erfolgreich sie sind. Projektgruppen sind oftmals frustriert, weil die Arbeit am Thema langsamer verläuft als geplant und Zeitfenster fehlen. Ihnen geht der Blick auf bereits Erreichtes verloren oder ihre Zielsetzung ist zu ambitioniert. Feedback durch die Steuergruppe kann hier Abhilfe schaffen und den Blick auf Positives und Erreichbares lenken.
Je nach Thema des Veränderungsprozesses können auch Feedback-Methoden wie kollegiales Feedback, Team Teaching, Hospitation oder Supervision bzw. Feedback von Schülerseite sinnvoll sein. Durch die Rückmeldungen von Kollegen- oder Schülerseite erfahren die Projektaktiven, dass ihre Arbeit auf Interesse stößt (Würdigung). Die Rückmeldung eröffnet zudem neue Sichtweisen auf das Thema und kann hierdurch Erfolge sichtbar machen, die von den Beteiligten selbst nicht gesehen werden.
Überlegen Sie: Wo kann im Veränderungsprozess Feedback gegeben werden, wo benötigen die Projektgruppen Rückmeldungen und wer gibt sie?
Tipp
Praxisunterlagen zur Einführung und Umsetzung von kollegialem Feedback unter https://www.iqesonline.net
 
Praxistool
In diesem Praxistool finden Sie drei Instrumente. Mit dem ersten Instrument stellen Sie den Istzustand in Bezug auf Informiertheit über das Projekt und die erlebte Würdigung durch die Projektaktiven fest. Mit dem zweiten Instrument beschäftigen Sie sich mit der Sichtbarmachung schneller Erfolge. Das dritte Instrument dient der Förderung von Wertschätzung und Anerkennung im Veränderungsprozess.
Wer ist verantwortlich?
Für die Bearbeitung dieser Gelingensbedingung sind in erster Linie die Projektaktiven und die Steuergruppe verantwortlich. Beide Gruppen müssen bei der Projektplanung darauf achten, dass frühzeitig Erfolge erzielt werden. Die Steuergruppe sollte zudem eine wichtige Quelle von Feedback und Würdigung sein. Zudem trägt sie die Hauptverantwortung für die Kommunikation über das Entwicklungsprojekt. Die Projektaktiven selbst sollten sich ihrer Wünsche nach Feedback und Würdigung bewusst sein und selbst mit dafür sorgen, dass sie ausreichend Feedback und Würdigung erfahren.
Grafik: Gelingensbedingung 17, Instrument 1
Gelingensbedingung 17, Instrument 1
Würdigungskultur und Informiertheit über das Projekt bilanzieren
Ziel: Zwischenbilanz zum Stand der Würdigungskultur im Projektverlauf herstellen
Mit den beiden folgenden Tabellen können Sie eine kurze Zwischenbilanz zu folgenden Fragestellungen ziehen:
  1. Haben die im Projekt Aktiven den Eindruck, dass ihre Arbeit anerkannt wird?
  2. Ist das Kollegium über die Arbeit der Projektgruppen informiert?
Die folgende Tabelle 1 wird von den Projektgruppen ausgefüllt.
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Tabelle 1 (für die Projektaktiven):
Anerkennung für die Arbeit im Projekt
 trifft völlig zutrifft über­wie­gend zuteils/teilstrifft über­wie­gend nicht zutrifft überhaupt nicht zu
Für meine Arbeit im Projekt erhalte ich Anerkennung und Unterstützung im Kollegium.
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Für meine Arbeit im Projekt erhalte ich Anerkennung und Unterstützung von der Schulleitung.
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Viele Kolleginnen und Kollegen stehen unserer Arbeit im Projekt kritisch gegenüber.
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Ich bereue nicht, mich im Projekt engagiert zu haben.
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Lassen Sie die Auswertung innerhalb der Projektgruppe und, wenn es in der Schule mehrere Projektgruppen gibt, für jede Projektgruppe einzeln durchführen. Erstellen Sie aus den Ergebnissen ein Balkendiagramm mit der prozentualen Verteilung der Antworten. Es wäre sinnvoll, für jede Projektgruppe ein solches Diagramm anzulegen. Stellen Sie die Ergebnisse dem Kollegium vor und diskutieren Sie darüber. Folgende Fragen können hilfreich sein:
  • Wie erklären Sie sich die (positiven oder negativen) Ergebnisse?
  • Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden? Sind die im Projekt Aktiven damit zufrieden oder was wünschen sie sich?
  • Gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen der Anerkennung bei den Projektgruppen und wie erklären Sie sich diese? Könnte es am Thema liegen (z. B. an der unterschiedlichen Bedeutsamkeit)?
  • Wie könnte sich eine kritische Haltung zum Projekt vonseiten des Kollegiums erklären lassen?
  • Was können Sie tun, um das Ergebnis zu verbessern? Woran messen Sie Ihren Erfolg?
Die folgende Tabelle 2 wird vom gesamten Kollegium und der Schulleitung ausgefüllt.
Tabelle 2 (für das Kollegium und die Schulleitung): Informiertheit über das Projekt
 trifft völlig zutrifft über­wie­gend zuteils/teilstrifft über­wie­gend nicht zutrifft überhaupt nicht zu
Ich bin gut über das Projekt informiert.
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Mir sind die Ziele des Projekts nicht klar.
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Ich kenne die Themen der Projektgruppen.
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Ich bin über die Arbeit in den Projektgruppen informiert.
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Ich bemühe mich regelmäßig darum, Informationen über die Projektgruppen zu erhalten.
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Die Steuergruppe wertet die Ergebnisse aus und stellt sie dem Kollegium vor, z. B. als Balkendiagramm mit der prozentualen Verteilung der Antworten. Achten Sie bei der Ergebnisdarstellung darauf, dass das Item „Mir sind die Ziele des Projekts nicht klar.“ negativ formuliert ist, eine hohe Zustimmung also ein negativer Wert ist. In Arbeitsgruppen wird nun über die Ergebnisse diskutiert. Folgende Fragen können hilfreich sein:
  • Wie erklären Sie sich die (positiven oder negativen) Ergebnisse?
  • Sind Sie als Schule mit den Ergebnissen zufrieden? Reicht der Stand an Informiertheit aus für den weiteren Verlauf des Entwicklungsvorhabens (in Bezug auf Erfolgszuversicht, Motivation, Anerkennung …)? Können Sie das Projekt mit diesen Ergebnissen erfolgreich fortsetzen?
  • Wo können Sie ansetzen, was können Sie verändern?
  • Was kann das Kollegium tun, was können die Projektgruppen und die Steuergruppe tun?
  • Woran merken Sie, ob Sie erfolgreich sind? Wie messen Sie Ihren Erfolg?
Grafik: Gelingensbedingung 17, Instrument 2
Gelingensbedingung 17, Instrument 2
Schnelle Erfolge sichtbar machen
Ziel: Ein Projekt so planen, dass schnell erste Erfolge erzielt werden können.
So gehen Sie vor:
Sinnvoll wäre es, wenn alle Mitglieder einer Projektgruppe darüber ins Gespräch kommen, wie es gelingt, die Planung des Veränderungsvorhabens so zu gestalten, dass schnelle Erfolge öffentlich sichtbar werden. Die Tabelle 3 sollte zuerst von der Projektgruppe bearbeitet werden. Mitglieder der Steuergruppe können als Expertinnen und Experten konsultiert werden. Ermöglichen Sie im Anschluss einen Austausch der Projektgruppen über ihre Ergebnisse. Bei diesem Austausch können Sie dann gemeinsam den Aktionsplan bearbeiten.
Tabelle 3, Erfolge sichtbar machen
Thema der Projektgruppe:
 Was tun wir schon (bitte beschreiben)?Sind wir damit zufrieden?Was nehmen wir uns konkret vor?
Beschreibung der Handlungsziele: Terminierbarkeit? Strukturierung in Teilziele möglich?   
Indikatoren für den Erfolg: Woran werden die Ergebnisse gemessen?
Woran erkennt man, dass die Zielsetzungen in Teilen verwirklicht werden? Woran erkennen wir Erfolge?
   
Projektfortschritt: Wie wird er erfasst? Gibt es Protokolle oder Evaluationsbögen, mit denen erfasst wird, was in der Projektgruppe getan wird? Wurde festgelegt, zu welchen Zeitpunkten der Projektfortschritt überprüft wird?   
Außendarstellung: Wer berichtet dem Kollegium oder der Steuergruppe über die Arbeit und Ergebnisse?   
Steuergruppe: In welchen Abständen findet ein Austausch mit der Steuergruppe statt? Wie wird diese über die Entwicklung in der Projektgruppe informiert?   
Präsentation: Wo, wie und wem werden Erfolge dargestellt? Welche Rolle spielt die Schulleitung dabei?   
Nach der Bearbeitung der Fragestellung „Was nehmen wir uns konkret vor?“ sollte direkt folgender Aktionsplan bearbeitet und ausgefüllt werden:
Aktionsplan „Was nehmen wir uns konkret vor?“
Was tun wir? Womit begin­nen wir?Wer tut es? Wer ist verant­wortlich?Wer ist beteiligt?Wann tun wir es?Was brauchen wir dafür?Wie stellen wir fest, ob wir erfolgreich sind?
      
Grafik: Gelingensbedingung 17, Instrument 3
Gelingensbedingung 17, Instrument 3
Würdigung und Anerkennung im Veränderungsprozess fördern
Ziel: Engagement durch Würdigung und Anerkennung im Schulentwicklungsprozess fördern
So gehen Sie vor:
Die Projektgruppen bearbeiten die nachfolgende Tabelle 4 und formulieren ihre Wünsche an die Schulgemeinschaft bzw. das Kollegium. Diese Wünsche werden dem Kollegium und der Schulleitung vorgestellt. Das Kollegium und die Schulleitung haben dann die Gelegenheit, gemeinsam mit den Projektaktiven darüber zu diskutieren, was von den Wünschen wie umgesetzt werden kann. Dabei sollte gemeinsam überlegt werden, welche Ressourcen, wie Zeitfenster, Räume, Finanzen, Fortbildungen etc., dafür benötigt werden. Sollte es zum Thema Feedback zu größeren Diskussionen im Kollegium kommen, wäre es sinnvoll, in einem ersten Schritt zu prüfen, welches Verständnis von Feedback die Einzelnen haben und wo es in der Schule bereits Strukturen gibt, aus denen man lernen und an die man anknüpfen kann.
Tabelle 4, Würdigung fördern
 Was brauchen wir bzw. wünschen wir uns für unsere Arbeit?Was können wir tun?Was brauchen wir dafür?
Gestaltung der Arbeitsgruppen­treffen   
Feedback durch die Steuergruppe   
Feedback durch die Schulleitung   
Rückmeldung durch das Kollegium   
Feedback durch Methoden wie kollegiales Feedback, Schülerfeed­back etc.   
Würdigung durch die Projektdar­stellung im Lehrerzimmer