Praxistool
In diesem Praxistool finden Sie zwei Instrumente zur Förderung der Partizipation.
Das erste Instrument unterstützt Sie dabei, aktuelle Stärken und Entwicklungsbereiche an Ihrer Schule hinsichtlich der „Partizipation“ zu identifizieren und gleichzeitig nach Möglichkeiten der Verbesserung zu suchen. Mit dem Instrument werden Ihnen zentrale Aspekte einer partizipativen Schulkultur vorgestellt. Sie können unter der Frage „An unserer Schule vorhanden?“ prüfen, welche partizipativen Strukturen als erfolgskritische Startbedingungen von Entwicklungsvorhaben bereits existieren. Mit der Frage „Für das Entwicklungsvorhaben Weiterentwicklung notwendig und bedeutsam?“ setzen Sie sich damit auseinander, welche partizipativen Strukturen Sie im Entwicklungsprojekt selbst benötigen.
Das zweite Instrument bietet Ihnen einen Workshop zum Thema „Zufriedenheit mit den Beteiligungsmöglichkeiten“. Hier sind Methode und Thema eng miteinander verknüpft: Das Kollegium wird dazu eingeladen, sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung an Ihrer Schule auseinanderzusetzen und neue Ideen zu entwickeln. Stellen Sie abschließend sicher, dass es Personen gibt, die für den Transfer der Ideen in den Alltag sorgen!
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich für die Entwicklung einer partizipativen Schulkultur ist die Schulleitung. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, den zeitlichen und organisationalen Rahmen zu schaffen und bei Bedarf Fortbildungen zu ermöglichen. Zudem muss sich die Schulleitung fragen, in welchem Maße sie selbst partizipative Strukturen ermöglichen kann und will. Wo kann sie Verantwortung abgeben? Im Einleitungsteil wurde ausgeführt, dass Partizipation ein Aspekt salutogener Führung ist. Wie sieht die Schulleitung ihre Rolle im Veränderungsprozess? Wo braucht sie als Schulleitung auch noch Unterstützung in Form von Fortbildung oder Supervision?
Zu Beginn der Beschäftigung mit dem Thema Partizipation und Feedback können folgende Fragen hilfreich sein:
  • Welchen Mehrwert können Partizipationsprozesse für die Vorbereitung des Schulentwicklungsprozesses in unserer Schule bringen?
  • Was tun wir bereits – und wo könnten wir ansetzen?
  • Welche Startbedingungen brauchen wir für die Entwicklung der Partizipation?
  • Welche partizipativen Strukturen brauchen wir für unser konkretes Entwicklungsziel?
Grafik: Gelingensbedingung 13, Instrument 1
Gelingensbedingung 13, Instrument 1
Partizipationskultur in der Schule prüfen
Ziel: Die Partizipationskultur in der Schule messen. Einen Überblick darüber erhalten, welche Formen an Beteiligung aktuell schon vorhanden sind und welche noch ausbaufähig wären (in Anlehnung an Fragebögen aus http://www.iqesonline.net).
So gehen Sie vor:
Sie können die Checkliste im gesamten Kollegium bearbeiten. Hiermit erfassen Sie unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in Bezug auf Partizipation. Wenn für Ihr Entwicklungsvorhaben auch eine Beteiligung von Eltern sowie Schülerinnen und Schülern notwendig ist, sollten deren Stellvertreter das Instrument mitbearbeiten.
Bilden Sie Arbeitsgruppen und lassen Sie diese die Checkliste ausfüllen. Im ersten Schritt bearbeiten Sie in der Arbeitsgruppe die Frage, welche Beteiligungsformen und -aspekte bereits an Ihrer Schule vorhanden sind. Im zweiten Schritt überlegen Sie gemeinsam, ob und in welchen Bereichen Sie einen Bedarf zur Weiterentwicklung für das Gelingen des Veränderungsprozesses sehen. Entscheiden Sie auch: Wie wichtig wäre Ihnen hier eine Weiterentwicklung? Welche Beteiligungsformen benötigen Sie für das Entwicklungsvorhaben? Wählen Sie nur Aspekte aus, die für Sie bedeutsam sind. Zu diesen können Sie in Ihrer Kleingruppe Möglichkeiten der Veränderung diskutieren: Was wäre der erste Schritt, um eine Veränderung einzuleiten?
Anschließend sollten die Arbeitsgruppenergebnisse im Kollegium vorgestellt werden. Wenn es unterschiedliche Sichtweisen auf das Vorhandensein partizipativer Strukturen gibt, sollte nach Gründen für die unterschiedliche Wahrnehmung gesucht werden.
Erstellen Sie im Anschluss eine Prioritätenliste, an welchen Strukturen zuerst gearbeitet werden sollte. Was sind die Konsequenzen für Ihr Entwicklungsvorhaben? Können Sie bereits starten oder sollten Sie vorab noch an einzelnen Startbedingungen arbeiten?
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Hinweis: Wenn in der Checkliste von „Kollegium“ die Rede ist, sind damit auch an der Schule tätige Fachpersonen aus der Schulsozialarbeit, der Schulpsychologie und Sonderpädagogik gemeint.
  An unserer Schule vor­handen?Wei­ter­ent­wick­lung notwendig und bedeut­sam?Vor­schlä­ge zur Ent­wick­lung
Trans­pa­renz und wech­sel­sei­ti­ges In­for­ma­ti­ons­ver­hal­tenDie Schulleitung legt vor dem Kollegium ihre Vorstellungen und Ziele von Schulentwicklung offen.   
Die Schulleitung informiert die Schulmitglieder zeitnah über wichtige schulische Vorhaben, Planungen, Termine und Änderungen der gesetzlichen Vorschriften.   
Die Lehrkräfte informieren die Schulleitung über bedeutsame Vorkommnisse und Sachverhalte (im Unterricht, auf dem Schulhof, im Kollegium …).   
Die Lehrkräfte nutzen die angebotenen Informationsquellen (z. B. Email, Intranet, Schwarzes Brett).   
Ergebnisse von Konferenzen, Arbeitstreffen etc. werden dokumentiert und sind stets für alle Schulmitglieder zugänglich.   
Mit­be­stim­mungVor wichtigen Entscheidungen wird das Kollegium ausreichend informiert.   
Wichtige Entscheidungen zur Schulentwick­lung und zu pädagogischen oder sozialen Fragen werden gemeinsam im Kollegium diskutiert und abgestimmt.   
In­no­va­tions­freund­lich­keitIdeen, aber auch Kritik und Widerstände, werden gehört und als konstruktive Anregungen aufgenommen.   
Es herrscht ein fehlerfreundliches Arbeitsklima: Fehler oder Fehlentwicklungen werden angesprochen, analysiert und als Lernerfahrung verarbeitet.   
Be­tei­li­gungDas Kollegium wird an der Entscheidung, Planung und Durchführung von wichtigen schulischen Entwicklungsprozessen kontinuierlich beteiligt.   
Die Schulleitung verbindet eigene Vorstel­lungen zur Schulqualitätsentwicklung mit denen der Schulgemeinde.   
Auch das nicht-pädagogische Personal wird bei Entscheidungsprozessen beteiligt.   
Mit­ge­stal­tung und Ver­ant­wor­tungs­ü­ber­nah­meArbeitsgruppen haben entsprechende Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheiten.   
Die Schulleitung delegiert Verantwortlichkeiten zeitlich befristet an Arbeitsgruppen.   
Schü­ler/
innen- und El­tern­par­ti­zi­pa­tion
Die Schule sucht immer wieder nach Mög­lichkeiten, Schüler/innen aktiv an Entschei­dungen zu beteiligen.   
Schüler/innen werden regelmäßig dazu ermutigt, Ideen und konstruktive Kritik zu für sie relevanten Themen vorzubringen.   
Die Eltern sind bei uns Teil der Schulgemein­schaft und werden an wichtigen Entschei­dungen beteiligt.   
Grafik: Gelingensbedingung 13, Instrument 2
Gelingensbedingung 13, Instrument 2
Im Workshop die Partizipation fördern
Ziel: Ein Gesamtbild des Kollegiums zur Zufriedenheit mit den Beteiligungsmöglichkeiten an der Schule schaffen und gleichzeitig dem Kollegium die Möglichkeit geben, sich für eine Weiterentwicklung einzusetzen.
So gehen Sie vor:
Bitten Sie möglichst viele Lehrkräfte um Beteiligung, damit Sie unterschiedliche Sichtweisen zum Thema einfangen können.
Für diesen Workshop eignet sich der Einsatz einer Moderatorin/eines Moderators.
Sie benötigen weiterhin ein Flipchart, Klebepunkte, Stifte und große Bögen an Papier für Stellwände.
Der Workshop ist in drei Phasen aufgeteilt.
Erste Phase: Einleitung, Ziel und Anlass des Workshops vorstellen; Gesamtbild zur Frage erstellen: „Wie zufrieden seid Ihr/sind Sie mit den Beteiligungsmöglichkeiten an unserer Schule?“
Die Frage steht auf einem Flipchart, zeichnen Sie darunter einen Pfeil von „sehr zufrieden“ bis hin zu „voll zufrieden“. Jede Person erhält einen Klebepunkt und stimmt mit dem Klebepunkt über die Frage ab. Es zeigt sich eine Tendenz, wie die Frage an der Schule mehrheitlich gesehen wird.
Nach der ersten Phase sollte Zeit zur Diskussion gegeben werden. Wie ist das Ergebnis zustande gekommen? Wie lässt sich das Ergebnis erklären? Ist das Kollegium mit dem Ergebnis zufrieden? Was ist die Konsequenz für das Entwicklungsvorhaben?
Zweite Phase: Sammlungsphase
Frage an das gesamte Kollegium: Welche Möglichkeiten könnten noch verbessert werden? Welche Bereiche könnten noch ausgebaut werden? Was braucht die Schule für das Gelingen des Veränderungsvorhabens bzw. für die Umsetzung der Entwicklungsziele?
Die Rückmeldungen können am Flipchart (= offen) gesammelt werden oder über Karten (= anonym) abgefragt werden. In großen Kollegien kann die zweite Phase auch in Arbeitsgruppen durchgeführt werden.
Die Karten werden auf Stellwände gepinnt und nach Themen sortiert. Die Themenzuordnung kann auch in der Arbeitsgruppe geschehen.
Die Themen werden im Plenum vorgestellt. Lassen Sie dann das Kollegium darüber abstimmen (mit Klebepunkten), welche Bereiche besonders wichtig sind und zeitnah ausgebaut werden sollten. Erstellen Sie eine Reihenfolge.
Dritte Phase: Lösungsphase
Frage: Welche Verbesserungsideen oder Lösungsvorschläge haben Sie dazu?
Lassen Sie das Kollegium in Kleingruppen zu maximal zwei bis drei Bereichen Ideen und Lösungsvorschläge diskutieren. Wenn Sie bereits in Phase 1 und 2 in Arbeitsgruppen gearbeitet haben, sollten Sie die Gruppen in Phase 3 neu zusammenstellen (Erfahrungsaustausch über die Phasen 1-2). Die Ideen werden mitgeschrieben oder auf einem Flipchart visualisiert.
Abschluss:
Die Arbeitsgruppenergebnisse werden von der Moderation oder verantwortlichen Personen ausgewertet. Die Ideen werden thematisch sortiert und dokumentiert.
Übergeben Sie die Ergebnisse der Schulleitung, die dann mit dem Steuergremium über die Umsetzung und den Handlungsbedarf entscheidet. Hierbei sollte zwischen kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen unterschieden werden. Der daraus entstehende Maßnahmenplan wird dem Kollegium vorgestellt.
Wie geht es weiter?
Die Planungs- und Startphase schließt mit der Gelingensbedingung „Koordination gewährleisten“. Wenn Sie dem Leitfaden bis hierhin gefolgt sind, haben Sie Ihrem Veränderungsprozess durch die Bearbeitung der vorhergehenden Gelingensbedingungen eine Richtung gegeben und sich Ziele gesetzt. Sie kennen die Startbedingungen Ihrer Schule und wissen, ob Ihr Kollegium für den Veränderungsprozess gerüstet ist, sich z. B. als soziales Kollektiv versteht und ausreichend Engagement und Erfolgszuversicht mitbringt. Mit Hilfe der Gelingensbedingung 12 haben Sie vielleicht auch geklärt, ob Ihre Ressourcen derzeit für einen größeren Veränderungsprozess ausreichen. Bevor Sie nun in die konkrete Umsetzung Ihres Veränderungsvorhabens, in die Interventionsphase, einsteigen, sollten Sie sich die Zeit nehmen, für den Prozess notwendige Koordinationsstrukturen zu prüfen. Aus der Gelingensbedingung 12 wissen Sie, welche personalen Ressourcen Ihrer Schule zur Verfügung stehen. Nun gilt es, diese Ressourcen sinnvoll und effektiv einzusetzen. Welche Gremien oder Arbeitsgruppen brauchen Sie für Ihr Vorhaben? An welchen vorhandenen Strukturen können Sie anknüpfen? Wie können Sie gewährleisten, dass die Koordination bzw. Abstimmung der am Prozess Beteiligten gelingt? Hintergrundinformationen und Anregungen dazu finden Sie in der Gelingensbedingung 14.