Praxistool
Im Praxistool zur Gelingensbedingung 2 finden Sie zwei Instrumente mit unterschiedlichen Methoden, aber gleichem Ziel: Die Entwicklung einer Vision oder eines Leitbilds für die Schulentwicklungsarbeit. Bei beiden Instrumenten sollte das gesamte Kollegium beteiligt werden, um möglichst alle Sichtweisen einer guten gesunden Schule zu erfassen und gemeinsam die Vision zu entwickeln. Das erste Instrument ist fragebogengestützt, das zweite folgt der Workshop-Methode. Tipp: Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kollegium Unterstützung bzw. inhaltliche Anregungen braucht, bietet sich der Fragebogen an. Mit diesem setzen Sie sich mit den Kernaussagen zur guten gesunden Schule auseinander. Für kleinere Kollegien oder solche, die es gewohnt sind, in Arbeitsgruppen konstruktiv zusammen zu arbeiten, bietet sich die Workshop-Methode an. Diese ist allerdings zeitintensiver als der Fragebogen.
Hinweise für beide Instrumente:
Eine Vision sollte prägnant sein und sich auf wenige zentrale Zielvorstellungen konzentrieren, die Orientierung geben und Motivation wecken. Die Vision sollte Sie während des Veränderungsprozesses begleiten. Es ist deshalb sinnvoll, eine möglichst bildliche Darstellung Ihrer Vision im Lehrerzimmer oder an einer zentralen Stelle im Schulgebäude aufzuhängen. Bei dem Bild sollte noch Platz bleiben, um im laufenden Prozess Ergänzungen vornehmen zu können. Im weiteren Verlauf des Entwicklungsprozesses ist es hilfreich, immer wieder auf die Vision Bezug zu nehmen und sich z. B. in schwierigen Zeiten vor Augen zu führen, warum sich die Anstrengungen lohnen.
Zeigt sich bei der Visionsentwicklung, dass in der Schule sehr unterschiedliche Vorstellungen von einer idealen Schule herrschen, sollte ein Diskurs über die unterschiedlichen und die gemeinsamen Vorstellungen begonnen werden. Dies hilft dabei, später die Ziele zu identifizieren, die das Fundament für gemeinschaftliche Anstrengungen bilden können.
Sollen Schülerinnen, Schüler oder Eltern in den Entwicklungsprozess eingebunden werden, kann parallel mit dem Instrument 2 eine eigene Schüler- bzw. Elternvision entwickelt werden, die im Anschluss mit der Lehrervision zu einer gemeinsamen Schulvision zusammengeführt wird. Alternativ können auch Vertreter dieser Gruppen bei der kollegialen Visionsbildung mitwirken.
Wer ist verantwortlich?
Die Verantwortung für die Initiierung einer Vision von guter gesunder Schule liegt bei der Schulleitung. Das gilt vor allem dann, wenn die Vision Eingang in das Schulprogramm finden soll. Aufgabe des Kollegiums ist es, am Prozess aktiv mitzuwirken und eigene Vorstellungen einzubringen, aber auch Wünsche und Ideale anderer zu akzeptieren und zum Konsens bereit zu sein. Es kann in manchen Schulen sinnvoll sein, die Erarbeitung der Vision mit Hilfe einer externen Moderation durchzuführen. Dies ist z. B. dann anzuraten, wenn die Schule wenig Erfahrung mit solchen Prozessen hat oder Gruppen mit unterschiedlichen Auffassungen existieren (Konfliktpotential im Kollegium).
Grafik: Gelingensbedingung 2, Instrument 1
Gelingensbedingung 2, Instrument 1
Fragebogengestützt eine Vision von guter gesunder Schule entwickeln
Ziel: Sich mit den Kernmerkmalen von guter gesunder Schule auseinandersetzen. Schaffung einer Diskussionsgrundlage für die Entwicklung einer gemeinsamen Vision.
So gehen Sie vor:
Drucker-Icon
Es empfiehlt sich, die folgenden Fragen zuerst individuell von jeder Lehrperson ausfüllen zu lassen und dann im Kollegium übereinstimmende Punkte darin zu finden: Was stellen Sie sich gemeinsam unter der guten gesunden Schule vor? Was ist Ihnen besonders wichtig?
(1) Bitte denken Sie über die folgenden Aspekte nach.
(2) Wählen Sie im Anschluss die drei Aspekte aus, die für Sie am wichtigsten sind und kennzeichnen Sie diese mit einem Stern *.
Eine gute gesunde Schule ist für mich eine Schule,…
Wie wichtig ist dieser Aspekt für Sie?
… an der ich mich wohlfühle (an der ich z. B. gern und mit Freude arbeite). 
… in der ich meine Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten kann (an der ich gefordert und gefördert werde). 
… die mich als Individuum wahrnimmt (z. B. Rücksicht nimmt auf persönliche Problemlagen oder meine Fähigkeiten wertschätzt). 
… die mir Gelegenheit gibt, mich als wirksam zu erleben (z. B. durch Rückmeldungen zur Qualität meiner Arbeit). 
… die meine Mitarbeit schätzt und würdigt (in Projekten, Schulentwick­lungsvorhaben etc.). 
… die mir die Möglichkeit gibt, mich als Teil des Ganzen zu erleben. 
.. an der Verschiedenheit als Bereicherung empfunden wird (im Kollegium, in der Elternschaft und Schülerschaft). 
… die durch einen respektvollen und wertschätzenden Umgang geprägt ist (von Lehrer/innen und Schüler/innen untereinander und mitei­nander). 
… die mich ermutigt, berufliche Probleme und Schwierigkeiten anzu­gehen und zu lösen (z. B. durch kollegiale Supervision oder durch Fortbildungen zum Umgang mit Schüler/innen und Eltern). 
… die mich fördert, wenn ich die Verantwortung für meine Gesundheit übernehme (z. B. im Umgang mit Berufsanforderungen, gesundheits­bezogene Fortbildungen). 
… die sich an gesundheitsförderlichen Unterrichts- und Lernprinzipien orientiert. 
… die mit gezielten Programmen wichtige Gesundheitskompetenzen bei Lehrpersonen und Schüler/innen fördert (z. B. Stressbewältigung, Entspannung, Bewegung, Ernährung, Suchtprävention). 
… die sich durch hohe Leistungsfähigkeit auszeichnet. 
… die durch eine sichere Gestaltung die Angst vor Unfällen und Gesundheitsschäden nimmt. 
… in der das Schulgebäude, das Außengelände und die Lernräume ansprechend und sauber sind. 
… die durch eine gute Schulorganisation die Bewältigung meiner Arbeit erleichtert. 
… die eine entlastende Kooperation der Lehrpersonen untereinander pflegt. 
… die Entlastung durch die Zusammenarbeit mit externen Fachleuten schafft. 
Auswertung:
  • Übertragen Sie zunächst die Tabelle auf ein Flipchart oder eine Stellwand. Bitten Sie alle Kolleginnen und Kollegen, ihre drei bedeutsamsten Aspekte auf der gemeinsamen Tabelle mit Sternchen oder Klebepunkten zu markieren.
  • Zählen Sie die Markierungen und stellen Sie eine Rangreihe der am häufigsten genannten Aspekte auf. Versehen Sie die Top 3 (alternativ die Top 4 oder Top 5) zusätzlich mit einem großen Stern.
Reflexionsfragen:
  • Was zeigt das Ergebnis?
  • Was sind die für Ihr Kollegium wichtigsten Merkmale einer guten gesunden Schule?
Diskussion im Kollegium:
  • Geben Sie den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, sich zu den Ergebnissen in kleinen Gruppen auszutauschen (ca. 15-20 Minuten).
  • Im Anschluss sollten Ideen und Änderungswünsche des Kollegiums zunächst gesammelt, ggf. kurz diskutiert und anschließend abgestimmt werden.
  • Die Vision kann anschließend vom Steuerkreis ausformuliert und dem Kollegium in der nächsten Lehrerkonferenz zur Abstimmung vorgelegt werden.
Grafik: Gelingensbedingung 2, Instrument 2
Gelingensbedingung 2, Instrument 2
Im Workshop eine Vision entwickeln
Ziel: individuelle Leitbilder zur guten gesunden Schule kennenlernen und sich darüber austauschen. In einem kreativen Prozess Gemeinsamkeiten identifizieren und eine Vision entwickeln.
Dieses Instrument ist eine Alternative zum Fragebogen (Instrument 1).
So gehen Sie vor:
Je nach Vorerfahrung in der Schule sowie den Interessen und Bedürfnissen der Einzelpersonen kann es hilfreich sein, mit einem kurzen Austausch bzw. einem kleinen Input zur Bedeutung einer guten gesunden Schule zu beginnen.
Nehmen Sie sich dann mindestens zwei Stunden Zeit. Bitten Sie die Kolleginnen und Kollegen, sich vorzustellen, wie eine gute gesunde Schule für sie aussieht. Woran erkennt man, ob eine Schule eine gute gesunde Schule ist? Bitten Sie z. B. darum, den Satz „Eine gute gesunde Schule ist für mich …“ zu vervollständigen und dies auf eine Karte zu schreiben.
  • Lassen Sie dann in Gruppen zu den gefundenen Merkmalen guter gesunder Schulen diskutieren. Bitten Sie die Gruppen, ihr Ergebnis zu visualisieren.
  • Sammeln Sie die Gruppenergebnisse auf Stellwänden. Versuchen Sie nun, die Ergebnisse thematisch zu bündeln. Legen Sie inhaltlich gleiche Merkmale zusammen und entwickeln Sie einen Oberbegriff für diese.
Der nächste Schritt kann von der Steuergruppe oder einer Arbeitsgruppe durchgeführt werden: Formulieren Sie aus den Merkmalen eine Schulvision und stimmen Sie diese mit dem Lehrerkollegium ab. Es empfiehlt sich, vor der Abstimmung noch einmal Raum zum Austausch in Kleingruppen für weitere Ideen und Änderungswünsche zu geben. Tipp: Visualisieren Sie das Ergebnis, z. B.: Blume/Baum: Je Merkmal guter gesunder Schule ein Blütenblatt/Ast
Geben Sie der Vision einen sichtbaren Platz im Lehrerzimmer/Schulgebäude.