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DGUV Grundsatz

Qualifizierung und Beauftragung von Beschäftigten aufzugsfremder Unternehmen für Arbeiten an Aufzugsanlagen

DGUV Grundsatz 309-011
Stand: Januar 2017

1   Anwendungsbereich

Dieser Grundsatz enthält Vorgaben für die Qualifizierung und Beauftragung von Beschäftigen aufzugsfremder Unternehmen, die an Aufzugsanlagen Arbeiten durchführen. Zu diesen Arbeiten zählen z. B. Reinigen, Prüfen sowie Arbeiten an RWA-Anlagen im Schacht.
Die Qualifizierung nach diesem Grundsatz befähigt die Beschäftigten aufzugsfremder Unternehmen nicht zu Arbeiten an den Anlagen, die eine besondere Fachkunde voraussetzt (siehe DGUV Information 209-053 „Tätigkeiten an Aufzugsanlagen“) oder an Anlagen, an denen spezifische Gefährdungen vorliegen.
Dies sind insbesondere:
  • Aufzugsanlagen ohne Inspektionssteuerung
  • Personenumlaufaufzüge
  • Mühlenaufzüge
  • Stützkettenaufzüge
Dieser Grundsatz unterstützt Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aufzugsfremder Unternehmen dabei, den Verpflichtungen nach Abschnitt 5.5.7 der DGUV Information 209-053 „Tätigkeiten an Aufzugsanlagen“ nachzukommen.
Beschäftigte, die nach diesem Grundsatz qualifiziert sind, dürfen erst nach erfolgter Einweisung durch fachkundiges Personal an der betreffenden Anlage ihre Arbeiten aufnehmen (siehe Abschnitt 5).

2   Anforderungen an beauftragte Beschäftigte

Beauftragte Beschäftigte müssen eine fachliche Qualifizierung in Theorie und Praxis erhalten haben, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird.
An jeder Aufzugsanlage müssen vor Aufnahme der Arbeiten die beauftragten Personen eine ausreichende Einweisung durch eine fachkundige Person an der Anlage erhalten haben, um die bei der Durchführung der übertragenen Arbeiten von der Aufzugsanlage ausgehenden Gefährdungen zu erkennen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und das verbleibende Risiko beurteilen zu können.
Ergänzende Information siehe Abschnitt 5.5.7 und Anhang 4 DGUV Information 209-053.

3   Begriffsbestimmung

Aufzugsfremde Unternehmen sind Unternehmen, die nicht direkt an den Aufzugskomponenten tätig sind, sondern in deren Wirkbereichen, oder die diese zur Erledigung ihrer Arbeiten benutzen.
Fachkundige Person ist, wer zur Ausübung einer bestimmten Aufgabe über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügt.
Im Aufzugsbau ist dies, wer
  • eine fachspezifische Ausbildung – vorzugsweise im Bereich der Mechatronik – und eine aufzugsspezifische Schulung erhalten hat
    oder
  • über mehrjährige Erfahrung in der Montage, Demontage oder in der Instandhaltung verfügt, und in die Abläufe der jeweiligen Aufzugsanlage unterwiesen wurde und mit den zu benutzenden Arbeitsmitteln vertraut ist.
Eine fachspezifische Ausbildung ist auch gegeben, wenn eine Ausbildung nach dem Berufsbild „Elektrotechnik“ oder „Maschinenbau“ vorliegt und eine Zusatzausbildung im jeweils anderen Fachgebiet erfolgt ist.
Aufzugsspezifische Schulung beinhaltet neben der theoretischenSchulung auch, dass die Person unter Anleitung und Aufsicht praktische Tätigkeiten ausführt (siehe auch DGUV Information 209-053 und § 2 Abs. 5 Betriebssicherheitsverordnung).
Fachkundige Person im eingeschränkten Aufgabengebiet für spezielle Arbeiten an Aufzugsanlagen ist eine bei einem fachfremden Gewerk beschäftigte Person, die z. B. eine Innenreinigung des Schachts oder der Schachtverglasung, eine Außenreinigung der Fahrkorbverglasung, Maler- und Anstricharbeiten oder Arbeiten an der RWA-Anlage durchführt und auf Basis dieses Grundsatzes qualifiziert ist.

4   Qualifizierung

4.1   Anforderung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Voraussetzung für die Teilnahme an der Qualifizierung zur Fachkunde im eingeschränkten Aufgabengebiet ist ein Mindestalter von 18 Jahren, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufserfahrung in dem aufzugsfremden Gewerk.

4.2   Inhalte der Qualifizierung

Die Qualifizierung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil mit den Schwerpunkten
  • Gefährdungen erkennen
  • Risiken beurteilen
  • Schutzmaßnahmen ableiten

4.2.1   Mindestinhalte des theoretischen Teils der Qualifizierung

Der theoretische Teil soll mindestens folgende Inhalte mit Bezug zum praktischen Teil enthalten:
Allgemeine Übersicht über Aufzugsarten
  • Antriebssysteme (Seil, Hydraulik, Sonderantriebe)
  • Anordnung von Zugängen zu Triebwerks- und Rollenräumen
Organisation
  • Verantwortung im Arbeitsschutz und Gefährdungsbeurteilung
  • Hinweise zur Arbeitssicherheit und Verkehrssicherungspflicht
  • An- und Abmeldung; Logout/Tagout; Erste Hilfe
Technik
  • Inspektionssteuerung
  • Sicherheitsbauteile
  • Aufzug-Notruf
  • Schutzräume im Schachtkopf und in der Schachtgrube
Gefährdungen bei/an
  • Zugang zu und Aufenthalt in der Schachtgrube
  • Betreten des Fahrkorbdachs
  • Absturzgefahr und Einsatz von PSA
  • Quetschen durch das Gegengewicht
  • Verfahren der Anlage vom Fahrkorb
  • Türen und Türantrieben
  • elektrischen Anlagen und Einrichtungen
  • Schacht und Triebwerksraum
  • Aufzugsanlagen mit teilumwehrten Schächten
  • Aufzüge mit verkürztem Schachtkopf und reduzierter Schachtgrube
  • Gruppenanlagen
  • Aufzugsanlagen, an denen nur gemeinsam mit einer fachkundigen Person im Aufzugbau gearbeitet werden darf
Typische Unfälle in den angesprochenen Bereichen

4.2.2   Mindestinhalte des praktischen Teils der Qualifizierung

Der praktische Teil soll mindestens folgende Inhalte mit Hinweisen und Übungen der einzelnen Teilnehmenden zur Technik und Gefährdungen sowie zu den Arbeitsabläufen enthalten:
Arbeitsablauf
  • Anlage übernehmen mit An- und Abmeldung
  • Sperrung der Anlage mit Kennzeichnung
Technik
  • Antriebssysteme, mechanische und elektrische Systeme im Triebwerksraum
  • Sicherheitsbauteile an der Anlage
  • Öffnen der Türen und richtige Positionierung des Fahrkorbs
  • Verfahren des Fahrkorbs unter Verwendung der Inspektionssteuerung
  • Funktion des Aufzug-Notrufs (z. B. Testanruf in der Schachtgrube)
Gefährdungen bei/an
  • Zugang zu Triebwerks- und Schutzräumen
  • Betreten und Verlassen des Fahrkorbdachs
  • Arbeiten in der Anlage mit Absturzgefahr und Auswahl von Anschlagpunkten für PSAgA
  • Quetschgefahr durch das Gegengewicht
  • Zugang zu und Aufenthalt in Schachtgruben und Schutzräumen
  • Aufzugsanlagen mit teilumwehrtem Schacht
  • Aufzügen mit verkürztem Schachtkopf und reduzierter Schachtgrube
  • Gruppenanlagen
Sicherheitsgerechte Wiederinbetriebnahme

4.3   Dauer der Qualifizierung

Die Dauer der theoretischen und praktischen Qualifizierung ist mit mindestens 16 Lehreinheiten (à 45 Min.) zu bemessen.

4.4   Prüfung

Die theoretische und praktische Qualifizierung ist mit einer schriftlichen Prüfung abzuschließen.
Die Prüfung sollte mindestens 15, aber nicht mehr als 25 Fragen umfassen. Für das Bestehen müssen mindestens 50 % der Fragen richtig beantwortet sein.
Die Prüfung kann wiederholt werden.
Die erforderlichen praktischen Kenntnisse sind im Rahmen von praktischen Übungen an der jeweiligen Aufzugsanlage nachzuweisen.
Die zulässige Anzahl der Fehlerpunkte richtet sich nach Art und Umfang der jeweiligen Prüfung und muss von den Ausbildenden/Prüfern oder Prüferinnen vor der Durchführung der Prüfung festgelegt werden.
Bewährt haben sich Fragebögen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten (Multiple-Choice-Verfahren).
Die Ergebnisse der Prüfungen sind zu dokumentieren.
Nach bestandener Prüfung erhält der Teilnehmer/die Teilnehmerin ein Zertifikat.
Muster eines Zertifikats mit den Mindestinhalten siehe Anlage 1.

4.5   Wiederholung der Qualifizierung

Es empfiehlt sich, die Qualifizierung in Zeitabständen von maximal 5 Jahren zu wiederholen.

5   Qualifikation der Ausbildenden, Auswahl des Orts für den praktischen Teil und Gruppengrößen

Der theoretische und praktische Teil der Qualifizierung muss durch fachlich qualifizierte Beschäftigte z. B. eines Aufzugsherstellers, eines Instandhaltungsunternehmens oder einer Prüforganisation erfolgen. Einschlägige Erfahrungen in der Vermittlung von Ausbildungskonzepten sind erforderlich.
Zur Durchführung des praktischen Teils muss eine geeignete Aufzugsanlage zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung stehen.
Bei der Festlegung der Gruppengröße zur Qualifizierung sind die örtlichen Bedingungen der vorhandenen Aufzugsanlage für den praktischen Teil besonders zu berücksichtigen. Es ist für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin verpflichtend, Übungen an der Anlage durchzuführen.

6   Beauftragung durch den Unternehmer oder die Unternehmerin

Das aufzugsfremde Unternehmen muss nach der Qualifizierung und erfolgreich abgeschlossener Prüfung seine Beschäftigten für die speziellen Arbeiten an Aufzugsanlagen beauftragen. Die Beauftragung sollte schriftlich mit den Inhalten des Musterformulars in Anlage 2 durch den Unternehmer oder die Unternehmerin erfolgen, wobei die speziellen Arbeiten an der Aufzugsanlage, wie z. B. die Arbeitsschritte zur Reinigung der Aufzugsanlage oder Wartung an RWA-Anlagen, festzulegen sind.
Typische Arbeiten aufzugsfremder Unternehmen sind z. B.:
  • Reinigungen im Schacht und Triebwerksraum
  • Montage und Instandhaltung von RWA-Anlagen
  • Überprüfung von Rauchmeldesensoren
  • Auswechseln der Belüftungseinrichtung
  • Überprüfung der Pumpen in der Schachtgrube
  • Maler-, Glaser- und Blitzschutzarbeiten

7   Einweisung an der Aufzugsanlage

Vor Aufnahme der speziellen Arbeiten an der Aufzugsanlage ist der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin des aufzugsfremden Unternehmens durch das fachkundige Personal des anlagenbetreuenden Instandhaltungsunternehmens oder fachkundige Betreuer und Betreuerinnen der Anlage einzuweisen (siehe DGUV Information 209-053 „Tätigkeiten an Aufzugsanlagen“).
Es empfiehlt sich, für die Einweisung das Musterformular in Anlage 3 zu verwenden. Darin sind die anlagenspezifischen Inhalte anzupassen, gegebenenfalls zu ergänzen und die Einweisung ist zu dokumentieren.

8   Bezugsquellen

Nachstehend sind die insbesondere zu beachtenden einschlägigen Vorschriften, Regeln und Informationen zusammengestellt.
Gesetze, Verordnungen
Bezugsquelle: Buchhandel und Internet: z. B. www.gesetze-im-internet.de
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung – PSA-BV)
Gesetz uber die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG)
Informationen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
Bezugsquelle: Bei Ihrem zuständigen Unfallversicherungsträger und unter www.dguv.de/publikationen
DGUV Information 209-053 „Tätigkeiten an Aufzugsanlagen“

Anlage 1

Anlage 2

Hinweis:
Vor Aufnahme der speziellen Arbeiten an jeder Aufzugsanlage ist eine Einweisung zu den aktuellen Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und verbleibenden Risiken durch das fachkundige Personal des anlagenbetreuenden Instandhaltungsunternehmens durchzuführen. Diese Einweisung ist mit einem schriftlichen Nachweis zu dokumentieren.

Anlage 3